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Kann Chinas Wirtschaft den Auswirkungen der Epidemie standhalten?

2020-04-03 11:37:00 Source:China heute Author:
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Von Ma Li

 

Am 30. Januar hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf eine Pressekonferenz abgehalten, bei der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausbruch des neuartigen Coronavirus zu einem international besorgniserregenden Notfall für die öffentliche Gesundheit erklärt hatte. Gleichzeitig lobte er Chinas Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Epidemie und deren weiterer Ausbreitung und betonte, dass die WHO sich nicht dafür ausspreche, China Reise- oder Handelsbeschränkungen aufzuerlegen.



 

Seit dieser Ankündigung stehen die Auswirkungen der Epidemie auf Chinas Wirtschaft sowie auch die gesamte Weltwirtschaft im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit.

 

Langfristige Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft sind begrenzt

 

Viele Experten und Forscher internationaler Institutionen sind der Ansicht, dass die Coronakrise zwar nicht spurlos an Chinas Wirtschaft vorbeigehen wird, die langfristigen Auswirkungen aber dürften sich ihrer Meinung nach sich in Grenzen halten.

 

Zhang Bin, Direktor des Forschungsbüros für Weltwirtschaft und Politik an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, glaubt, dass es insbesondere im ersten Quartal spürbare Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft geben dürfte. Kurzfristig, so glaubt der Experte, sei zu erwarten, dass sich Chinas Wirtschaft abkühle, besonders stark betroffen seien demnach der Dienstleistungssektor und Investitionen in die Industriebranche. Insbesondere werde der Verbrauch nicht dauerhafter Konsumgüter wie etwa von Kinobesuchen oder touristischen Dienstleistungen erheblich beeinträchtigt, so der Fachmann. Jedoch müsste man auch bedenken, dass der Verbrauch vieler langlebiger Güter nach dem Ende der Epidemie den bestehenden Rückstand vermutlich rasch aufholen dürfte. „Der kurzfristige Notfall dieser Epidemie hat die Volatilität des Wirtschaftsbetriebs vorübergehend erhöht, auf lange Sicht aber wird die Coronakrise Chinas Wirtschaft nicht nachhaltig beeinträchtigen“, sagt Zhang.

 

Diese Ansicht teilt auch Huang Tianlei, Forscher am Peterson Institute for International Economics in den USA. Auch er meint, die Epidemie werde wohl nur vorübergehende Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft haben. „Die Auswirkungen des Ausbruchs auf das jährliche Gesamtwirtschaftswachstum sollten nicht überbewertet werden“, sagt er. 

 

Kenneth Rogoff, Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard University, weist darauf hin, dass ähnliche Fälle in der Vergangenheit den Schluss nahelegten, dass die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus höchstwahrscheinlich nur vorübergehender Natur seien dürften und sich kontrollieren ließen. „Darauf können wir hoffen“, sagt er. 



 

Da die Feiertage rund um das traditionelle Frühlingsfest in China stets eine Zeit seien, in der besonders viel konsumiert werde, habe der Ausbruch der Epidemie sich natürlich spürbar auf Tourismus, Konsumwirtschaft und andere Branchen ausgewirkt und wirtschaftliche Unsicherheit mit sich gebracht, erklärt Gerry Rice, Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF). Auch er glaubt aber, dass die Auswirkungen der Epidemie auf Chinas Wirtschaft nur vorübergehend sind. „Nach der Kontrolle der Epidemie werden die relevanten wirtschaftlichen Aktivitäten wieder aufgenommen. Die Wirtschaft kann sich dann also erholen“, so seine Einschätzung. „Chinas Wirtschaft ist groß und das Land verfügt über die nötigen Ressourcen sowie die nötige Entschlossenheit, um die von der Epidemie verursachten Herausforderungen effektiv zu bewältigen“, so Rice.

 

Was gilt es nun zu tun?

 

Die chinesische Regierung hat strengste Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung der Epidemie einzudämmen. Wie aber sollte sie nun am besten mit den daraus resultierenden Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft umgehen?

 

„Man sollte in der Wirtschaftspolitik lieber nicht überreagieren, das wäre das Beste“, sagt Michael Spence, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Professor an der New York University. Er schlägt vor, dass die Regierung zunächst Anstrengungen unternehmen sollte, um die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren. Darüber hinaus müsse man sie sich um infizierte und besonders gefährdete Menschen kümmern. „Das Sozialversicherungssystem sollte diesen Personengruppen finanzielle Unterstützung gewähren. Dies ist nicht nur im Sinne der Bevölkerung, sondern kommt letztlich der Wirtschaft insgesamt zugute“, sagt er.

 

„Die derzeitige Politik müsse sich auf die Überwindung der bestehenden Schwierigkeiten konzentrieren, um eine übermäßige wirtschaftliche Abkühlung zu vermeiden und die soziale Stabilität zu gewährleisten“, sagt Lu Ting, Chefökonom bei Nomura Holdings. „Nach dem Ende der Epidemie wird sich die Wirtschaft zweifellos erholen. Es besteht deshalb derzeit kein Grund zu übermäßiger Panik. Auch übermäßige Anreize für die wirtschaftliche Erholung sollten vermieden werden“, betont er.



 

Zhang Yansheng, Chefforscher am China Center for International Economic Exchanges, erklärt: „China sollte nun noch wirksamere Maßnahmen ergreifen, um die Erwartungen zu stabilisieren und das Vertrauen in die Zukunft zu stärken. Das Land sollte die Transparenz und Wirksamkeit der Prävention und Kontrolle der Epidemie weiter verbessern und Schwachstellen im Kampf gegen das Virus wie die Versorgung mit Masken und Desinfektionsmitteln, die Schaffung einer guten Belüftung in Innenräumen sowie die allgemeinen Präventionsmaßnahmen so früh wie möglich anpacken“, so Zhang. „Die Wiederherstellung der nationalen Logistik, des normalen Geschäftsbetriebs, des Kapital- und Informationsflusses sowie der Mobilität qualifizierter Fachkräfte spielt eine entscheidende Rolle, um die Erwartungen der Menschen, einschließlich des Vertrauens und der Erwartungen globaler Investoren, in Chinas zukünftige Entwicklungsperspektive, zu stabilisieren“, so Zhang weiter.

 

Cao Heping, Professor am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Peking-Universität, ist der Ansicht, dass Chinas Regierung heimischen Unternehmen, die durch die Epidemie in besondere Schwierigkeiten geraten seien, unter die Arme greifen sollte, um ihnen eine sanfte wirtschaftliche Landung zu ermöglichen. „Meiner Meinung nach sollte ein politisch unterstütztes Rückversicherungssystem eingerichtet werden, um denjenigen Firmen, die in Schwierigkeiten stecken, zu helfen. Darüber hinaus sollten spezielle Ausbildungsprogramme eingeführt werden, um freigesetzten Arbeitskräften zum Beispiel beim Einstieg ins E-Business oder bei der Online-Jobsuche zu helfen“, schlägt er vor. 

 

Um die Auswirkungen der Epidemie auf Chinas Wirtschaft zu mindern, hat Chinas Regulierungskommission für Banken- und Versicherungswesen kürzlich erklärt, dass Kredite für Unternehmen im Groß- und Einzelhandel, in Hotellerie und Gastronomie, Logistik und Transport, Kultur und Tourismus sowie in anderen von der Epidemie stark betroffenen Branchen mit guten Entwicklungsperspektiven nicht zurückgezogen, abgebrochen oder reduziert werden sollten. 

 

Am 1. Februar haben zudem besagte Regulierungskommission, die Chinesische Volksbank, das Finanzministerium, die nationale Wertpapieraufsichtsbehörde und Chinas Staatliche Devisenverwaltung gemeinsam die „Mitteilung über die weitere Stärkung der finanziellen Unterstützung für die Prävention und Bekämpfung von Covid-19“ bekanntgegeben. Mit 30 konkreten Maßnahmen zielt das Papier darauf ab, der Realwirtschaft finanzielle Unterstützung zu gewähren. 

 

Durch die Einführung dieser und weiterer Maßnahmen dürfte Chinas Wirtschaft ihre Schwierigkeiten rasch überwinden. Wie Li Yuan, Professor am Ostasien-Institut der Universität Duisburg-Essen, feststellt, dürfte die Coronakrise die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas nicht nachhaltig beeinträchtigen. „Wir können auch weiterhin voll und ganz auf die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft bauen“, sagt er. „Der Kampf gegen die Epidemie sorgt dafür, dass Chinas Regierung auf allen Ebenen auch die Investitionen in Produkte der öffentlichen Gesundheit erheblich erhöht, was letztlich ebenfalls der langfristigen und gesunden Entwicklung der örtlichen Wirtschaft zugute kommen wird“, so das Fazit des deutschen Experten.



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