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Tongrentang: Beijinger Traditionsapotheke bringt TCM-Arzneien nach Südafrika

2018-09-29 14:25:00 Source:China heute Author:
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Kleine Heilkräuter mit großer Wirkung: Das Sortiment der TCM-Apotheke Tongrentang im südafrikanischen Johannesburg reicht von Schlangenbartknollen und Ginseng über getrocknete Mandarinenschalen bis zu Bitterholz.


Von Ma Li, Hou Feng und Zheng Qingting*


„Hier sind getrocknete Mandarinen- bzw. Apfelsinenschalen, dort Schlangenbartknollen und das hier sind getrocknete Wurzeln des Astragalus Membranaceus… .“ Wir schreiben den 23. Juli 2018 und befinden uns in einer typischen TCM-Apotheke. Nur das diese nicht in China, sondern im südafrikanischen Johannesburg steht. Es ist auch nicht einfach irgendeine Apotheke, sondern eine Filiale des Traditionshauses Tongrentang, einer der berühmtesten TCM-Arzneihändler Chinas mit Hauptsitz in Beijing.


Der Apotheker McGlone, der uns und anderen Besuchern das Sortiment zeigt, ist ein Einheimischer. In astreinem Hochchinesisch benennt er für die interessierte Kundschaft die traditionellen Heilkräuter. McGlone ist Mitte Zwanzig und arbeitet bereits seit anderthalb Jahren in der Johannesburger Tongrentang-Filiale. Er findet sich nicht nur im Dickicht der zahlreichen TCM-Arzneien bestens zurecht, sondern weiß auch, wie man diese fachmännisch zubereitet und abkocht.


„Ich habe mich nicht nur aus persönlichem Interesse in diese Materie eingearbeitet, sondern auch, um den Menschen in meinem Umfeld besser helfen zu können“, sagt der junge Südafrikaner. Vor allem an Samstagen und Sonntagen ist das Geschäft in Johannesburg proppenvoll.


Bereits 2016 eröffnete die Traditionsapotheke ihre ersten Filialen in Südafrika, heute sind es insgesamt sechs, die sich neben Johannesburg in den Städten Pretoria und Durban finden. Dort können Kunden nicht nur TCM-Arzneien erwerben, sondern im Gespräch mit TCM-Ärzten auch Diagnosen einholen und sich durch traditionelle chinesische Heilverfahren wie Akupunktur und Moxibustion bzw. Tuina-Massagen behandeln lassen.


Das Traditionsunternehmen Tongrentang blickt auf eine lange Historie von fast 350 Jahren zurück. Gegründet wurde es im Jahr 1669, im achten Regierungsjahr des Qing-Kaisers Kangxi, durch den Mediziner Yue Xianyang, einen erfahrenen Leibarzt des Kaiserhofs. Heute zählt die Arzneimanufaktur sogar zum immateriellen Kulturerbe der Volksrepublik.

 

Großes Vertrauen in TCM-Präparate



Afrikanische Patienten hoffen auf Linderung ihrer Beschwerden:

Hier sind Besucher der Tongrentang-Apotheke in Johannesburg zu sehen.

 

 

In der Filiale in Johannesburg kommen wir mit Mataib ins Gespräch. Bei einem Verkehrsunfall wurde einst sein Knöchel zertrümmert, woraufhin er ein künstliches Sprunggelenk bekam. Doch das Laufen fiel ihm trotz Prothese schwer. Auf Empfehlung eines Kollegen ließ sich der Südafrikaner schließlich bei Tongrentang ärztlich beraten und begann eine Akupunktur- und  Moxibustionsbehandlung. Rasch habe sich eine merkliche Besserung eingestellt, wie er uns erzählt.


Seither lässt Mataib seinen Fuß regelmäßig hier nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin behandeln. „Die Akupunkturnadeln der Ärzte sind wirklich magisch. Vor der Behandlung konnte ich kaum normal gehen, jetzt habe ich damit keinerlei Probleme mehr“, sagt er. Die TCM habe ihn von seinen Schmerzen befreit.


Doch es sind nicht nur Behandlungserfolge wie dieser, die hier in Südafrika bei den Menschen Spuren hinterlassen, ganz nebenbei trägt Tongrentang nämlich auch zur Verbreitung der chinesischen Kultur bei. Das Vertrauen der Afrikaner in die Heilkraft der TCM und die TCM-Kultur wächst stetig. Ein Verantwortlicher der örtlichen Apotheke erklärt, dass sich zu 70 Prozent Einheimische im Haus behandeln ließen.


Doch nicht nur die Bevölkerung vertraut mehr und mehr auf die Wirkkraft der Präparate, mittlerweile werden traditionelle chinesische Heilverfahren auch vom südafrikanischen Gesundheitsministerium anerkannt.


Der Leiter des Instituts für Gesundheitsstudien der University of the Witwatersrand Johannesburg, sagt: „Traditionelle Chinesische Medizin spielt eindeutig eine wichtige Rolle, allein schon, weil so viele Chinesen auf sie schwören. Auch hier in Südafrika haben wir großes Interesse an diesen Heilmethoden. Viele Südafrikaner verwenden heute traditionelle Präparate aus der chinesischen Medizin, insbesondere pflanzliche Arzneien. Wir haben von daher großes Interesse daran, diese Heilverfahren tief gehend zu erforschen. Die Medizin Südafrikas zieht daraus großen Nährwert und wichtige Erfahrungswerte.“


Um die Verbreitung der TCM-Kultur um einen weiteren Schritt zu beschleunigen, unterzeichnete das Unternehmen Beijing Tongrentang Ltd. ein Kooperationsmemorandum mit der Universität Johannesburg. Gemeinsam wollen beide Seiten die Ausbildung von TCM-Medizinern und Akupunktur- und  Moxibustionsärzten fördern. Ein konkreter Bildungsplan wurde bereits ausgearbeitet und von den südafrikanischen Bildungsbehörden genehmigt. Die ersten Teilnehmer für den Bildungsgang sollen voraussichtlich Ende 2019 ausgewählt werden.

Wir machen uns von der TCM-Apotheke auf in einen kleinen, mit roten Lampions geschmückten Hof im Herzen von Johannesburg. Man möchte meinen, er gehöre einem Chinesen. Doch beim Eintritt stellen wir fest, dass der heimelig anmutende Komplex einer Einheimischen gehört, nämlich Arnett. Die Südafrikanerin ist praktizierende Ärztin für chinesische Akupunktur und Moxibustion. Nebenbei hat sie auch noch einen Faible für Taichi, wie sie verrät.


Wer sich hier in Johannesburg von einem TCM-Arzt behandeln lassen möchte, muss sich auf Wartezeiten gefasst machen. Arnetts Kalender ist randvoll mit Terminvereinbarungen. „Ich behandle normalerweise 15 bis 20 Patienten pro Tag. Die meisten von ihnen kommen aus dem nahegelegenen Pretoria und dessen Umgebung, das sind etwa dreißig bis vierzig Minuten mit dem Auto von Johannesburg. Es gibt aber auch Leute, die eigens aus dem mehrere Stunden entfernten Pinotage anreisen, um sich von mir behandeln zu lassen“, sagt Arnett. Dabei mache sie für ihre Praxis praktisch keine Werbung, es genüge die Mund-zu-Mund-Propaganda der Patienten.


„Meine Praxis ist jeden Tag voll und ich arbeite sieben Tage die Woche. Oft mache ich abends erst spät Feierabend, weil ich mit der Behandlung gar nicht nachkomme“, sagt die Südafrikanerin. Während sie mit uns spricht, trudelt auch schon ihr erster Nachmittagstermin ein, Patient Sala. Sala kommt seit über einem Jahr zur Akupunktur- und Moxibustionsbehandlung in Arnetts Praxis. Mittlerweile verstehen sich Patient und Ärztin auch ohne viele Worte, haben sich angefreundet.


Arnett sagt: „TCM ist wirklich eine großartige Sache, die weltweite Verbreitung verdient, damit sich noch mehr Patienten von ihren fantastischen Heilkräften überzeugen können.“ Sie selbst sei Dank eigener guter Erfahrungen zur TCM gekommen. Diese reichten mehr als zwanzig Jahre in die Vergangenheit zurück, verrät sie.


In ihren Zwanzigern erlitt Arnett überraschend einen Schlaganfall, der sie halbseitig lähmte. „Mein Arzt teilte mir damals mit, dass er mit seinem Latein am Ende sei und meine Situation nicht mehr ändern könne.“ Sie müsse sich mit ihrer Krankheit arrangieren, so der Mediziner. „Ich wollte so aber nicht mein restliches Leben fristen. Deshalb begann ich, mich selbst nach alternativen Heilverfahren umzusehen. In einem Buch entdeckte ich zufällig einen Artikel über chinesische Akupunktur und Moxibustion. Vielleicht kann die mir ja weiterhelfen, dachte ich.“


Arnett sah einen Hoffnungsschimmer am Horizont und begann, sich überall in ihrem Heimatland umzuhören, bis sie endlich in Durban einen TCM-Arzt fand, der Akupunktur und Moxibustion praktizierte. Schon nach kurzer Behandlung ging Arnetts Lähmung allmählich zurück. Seither fühlt sich die Südafrikanerin der TCM untrennbar verbunden. Sie begann schließlich, selbst traditionelle chinesische Heilverfahren zu studieren. 


„Ich bin nun seit mehr als 20 Jahren als TCM-Ärztin tätig. Der Beruf hat mir nicht nur ein sicheres Einkommen beschert, sondern mich auch – und das ist viel wichtiger – mit unterschiedlichsten Menschen und Dingen in Kontakt gebracht, was mein Leben extrem bereichert hat“, sagt Arnett. Vor allem seien es die geistigen Nährstoffe, für die sie der TCM dankbar sei. Davon werde sie ein Leben lang zehren. Das Finanzielle sei dagegen nur eine positive Begleiterscheinung.

 

Markt mit Zukunft

 

Wir machen uns auf in den belebten Einkaufsbezirk von Pretoria, der Verwaltungshauptstadt der Republik Südafrika. Schon von weitem lässt sich ein großes Schild mit der englischen Aufschrift „Chinese Medicine“ erspähen, das auf eine weitere Filiale von Tongrentang hinweist. Schon beim Betreten der TCM-Apotheke fallen uns die chinesischen Bezeichnungen ins Auge, mit denen die Präparate im Arzneiregal an der Wand des Geschäfts beschriftet sind.


Ein Kunde, ein junger Mann aus Nigeria Mitte Dreißig, erzählt uns, warum er gekommen ist. Er sei vor drei Monaten schwer an Grippe erkrankt und habe sich deshalb eine Schachtel TCM-Erkältungstrunk hier in der Apotheke gekauft. Nachdem er vor dem Schlafengehen eine Tasse getrunken hatte, habe sich am nächsten Morgen eine deutliche Besserung eingestellt. Diesmal sei er mit seiner Schwester gekommen, um für sie einen Blutdrucksenker zu kaufen.


Zhong Peng, Vertreter der Geschäftsführung der Afrika-Branch von Beijing Tongrentang Ltd., erklärt uns im Interview, dass es in Afrika grundsätzlich großes Entwicklungspotential für TCM-Arzneien gebe. Da auch in Afrika traditionell Kräuterarzneien zur Heilung von Krankheiten eingesetzt würden, genössen TCM-Produkte hier von vorneherein ein wesentlich größeres Vertrauen als beispielsweise in Europa oder den USA. „Wenn es uns gelingt, hier in Afrika internationale Standards für TCM-Arzneien zu etablieren, wird das letztlich auch die Internationalisierung der TCM insgesamt fördern“, sagt er.


Als wirtschaftliches Zugpferd des Schwarzen Kontinents ist die Republik Südafrika, was ihre Infrastruktur, das Rechtswesen sowie das Finanzsystem angeht, allen anderen afrikanischen Staaten voraus, was gute Startbedingungen für Unternehmen wie Tongrentang verspricht. Noch wichtiger aber ist, dass die südafrikanische Regierung im Jahr 2000 TCM-Arzneien gesetzlich anerkannte. Damit schuf sie eine kraftvolle gesetzliche Garantie für die Verbreitung traditioneller chinesischer Arzneien, nicht nur für Südafrika sondern auch den gesamten afrikanischen Kontinent. Für Tongrentang sind die Filialen in Südafrika ein wichtiges Sprungbrett, um auf dem afrikanischen Markt Fuß zu fassen.




Chinesisches Flair in Südafrika: Viele Südafrikaner vertrauen auf TCM-Wirkstoffe zur Heilung.

 

 

Das Beijinger Traditionsunternehmen arbeite daran, das Potential des südafrikanischen Marktes weiter zu erschließen, sagt Zhong Peng. Neben den TCM-Ausbildungskursen zu Akupunktur und Moxibustion, die man in Kooperation mit der Universität Johannesburg starte, warte man auf den richtigen Zeitpunkt für den Aufbau einer Fabrik, den lokalen Anbau von Heilkräutern bzw. die Eröffnung einer eigenen TCM-Klinik. „Unser Ziel ist es, einerseits Menschen zu heilen, andererseits aber auch als Botschafter der chinesischen Kultur zu fungieren und so einen Beitrag zur Verwirklichung des Chinesisch-afrikanischen Kooperationsplans für öffentliche Gesundheit zu leisten“, sagt Zhong.

Wie populär TCM-Präparate in Südafrika schon heute sind, zeigt die Verbreitung chinesischer Bezeichnung wie „Kuding“ („Bitterholz“ bzw. Picrasma quassioides), „Renshen“ („Ginseng“), „Wuzi“ (TCM-Kügelchen, die die Nierenfunktion stärken sollen), „Gouqi“ (Goji-Beeren bzw. Chinesische Wolfsbeeren) oder „Lingzhi“ („Glänzender Lackporling“), sagt Zhong. Den meisten Südafrikanern seien diese Wörter durchaus ein Begriff.


Ein weiterer Grund für den schnellen Erfolg der TCM in dem afrikanischen Land sei, dass die Meridianbahnen der Afrikaner stark auf TCM-Präparate reagierten. Die Wirkung sei deutlich, so Zhong. „Wo wir Chinesen einige Behandlungsphasen brauchen, zeigt sich bei den Menschen hier oft schon nach einer oder zweien solcher Phasen eine deutliche Besserung.“

 

Preisvorteil gegenüber westlichen Präparaten

 

Auch preislich können die TCM-Präparate geringfügig gegenüber westlichen Arzneien punkten, ein wichtiger Aspekt, liegen doch auf dem Schwarzen Kontinent die meisten der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Zudem konzentrieren sich hier viele Entwicklungsländer.

„In Südafrika hat der überwiegende Teil der Geringverdiener keine richtige Krankenversicherung. Wer krank wird, besorgt sich seine Medizin selbst in der Apotheke. Mit traditionellen chinesischen Arzneien kommt man da eben günstiger weg als mit westlichen Präparaten“, erklärt Zhong Peng. „Sollte es uns in Zukunft gelingen, die Heilarzneien vor Ort zu produzieren, wird dieser Preisvorteil noch deutlicher werden.“


Tatsächlich liegen die Behandlungskosten für westliche Heilverfahren wesentlich höher. An der Kasse der Tongrentang-Filiale sind einige Preise angeschlagen. Eine ärztliche Beratung oder eine Tuina-Massage schlagen demnach jeweils mit 200 Rand zu Buche, für eine Akupunktur- und Moxibustionsbehandlung werden 400 Rand fällig, respektive entspricht das 12 bzw. 24 Euro. Damit liege man hier in Pretoria noch um einiges günstiger als in anderen Städten, sagt Zhong. Zeitweise habe man den Kunden zudem die Gebühr für ein Beratungsgespräch erlassen.


„90 Prozent der Patienten, die uns aufsuchen, sind Einheimische. Das Verhältnis von Gering- und Besserverdiener liegt etwa bei fünfzig-fünfzig“, so der Unternehmensvertreter. Mittlerweile decke die private Krankversicherung der Gutverdiener Tuina-Massagen sowie Akupunktur und Moxibustion als Kassenleistungen ab.

 

Fachkräftemangel

 


Fortbildung in der Tongrentang-Apotheke: In Afrika erfreut sich die TCM seit mehreren Jahren großer Beliebtheit.

 

 

Die Nachfrage ist groß, das Angebot allerdings bisher begrenzt. Derzeit gibt es in der gesamten Republik Südafrika nur weniger als 200 TCM-Ärzte bzw. Akupunkturärzte mit permanenter Zulassung. Darunter finden sich neben Chinesen, die weniger als die Hälfte ausmachen, und Einheimischen auch Mediziner aus Indien und Pakistan. Es herrscht also ein deutlicher Mangel an Fachkräften auf diesem Gebiet.

Diesem Mangel wollen Tongrentang und die Universität Johannesburg mit ihren bereits erwähnten Bildungskooperationsplänen begegnen. Zudem sollen im Klinikum der Universität eine Abteilung für TCM, Akupunktur und Moxibustion sowie ein TCM-Museum eingerichtet werden.


Zhong Peng verrät, dass die Pläne zum Bau einer lokalen Fabrik und zur Erschließung örtlicher Heilkräuterressourcen bereits konkrete Gestalt annähmen. Damit wolle man auf die hohe Nachfrage reagieren.


„Wir befriedigen damit nicht nur die Bedürfnisse der afrikanischen Länder und können die Preise der Arzneien um einen weiteren Schritt senken, sondern haben auch die Chance, von hier aus den chinesischen Markt sowie die Überseemärkte zu versorgen. Das wird die Industriekette unseres Unternehmens weiter stärken“, skizziert der Unternehmensvertreter die Zukunftsaussichten.

 

*Hou Feng ist Journalist von CCTV, Zheng Qingting arbeitet für die chinesischsprachige Tageszeitung „21st Century Business Herald“. Ma Li ist Redakteur unseres Magazins „China Today“.

 

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