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Stimmt‘s oder nicht? - Fünf gängige kulinarische Vorurteile über China auf dem Prüfstand

2018-11-08 10:54:00 Source:China heute Author:
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Von Verena Menzel 

  

Chinesen können keine Milch trinken und liegen schon nach dem ersten Gläschen Schnaps betrunken unterm Tisch? Im Westen gibt es noch immer so manches Vorurteil, wenn es um die Ess- und Trinkgewohnheiten der Chinesen geht. 

  

Stimmt‘s oder nicht? 

  

Im vergangenen Jahr erreichten Chinas Lebensmittelimporte ein Gesamtvolumen von 58,3 Milliarden US-Dollar. Die meisten davon kamen aus der EU. Wir waren auf der ersten Internationalen Importmesse (CIIE) in Shanghai unterwegs und haben mit erfahrenen europäischen Lebensmittelherstellern, die seit mehreren Jahren in China Geschäfte machen, gesprochen, um fünf gängige kulinarische Vorurteile über China auf den Prüfstand zu stellen. Was essen und trinken die Chinesen wirklich? Wir haben nachgefragt. Auf zum Faktencheck! 

  

Vorurteil Nummer 1: Chinesen trinken nur grünen Tee. 

  

Faktencheck mit Charles Arthur Smith und Wong Yuzheng vom englischen Teehersteller Twinings: 

  

 

 

  

Wong Yucheng (l.), General Brand Manager der Firma Twinings,  

und Charles Arthur Smith, Twinings-Markenbotschafter für Südostasien  

  

Wong: 

„Es stimmt zwar, dass in China viel grüner Tee getrunken wird, tatsächlich aber trinken Chinesen auch gerne verschiedenste andere Teesorten, zum Beispiel auch den in Europa beliebten Schwarztee. Unsere Verkaufsschlager der Firma Twinings hier in China sind English Breakfast Tee und Earl Grey.“ 

  

 

 

  

 

Smith: 

„Unser Traditionsunternehmen, das seit mehr als 300 Jahren besteht, ist seit dem Jahr 2000 auf dem chinesischen Festland aktiv und wir verzeichnen hier mit unseren Teemischungen, die unter anderem auch Früchte, Blumen und andere Gewürze enthalten, seit dem Markteintritt ein ständiges Wachstum. Letztlich möchten wir durch unsere Produkte auch ein Stück britische Teekultur nach China, das Heimatland des Tees, bringen und so zum kulinarischen Kulturaustausch beitragen.“ 

  

Vorurteil Nummer 2: Chinesen vertragen nichts Hochprozentiges. 

  

Faktencheck mit Jiri Mihel von L‘OR Absinth aus Tschechien: 

  

 

 

  

„Wir von L’OR sind einer der größten Absinthhersteller Tschechiens. Absinth ist ein alkoholisches Getränk, das traditionell aus Wermut, Anis, Fenchel sowie einer je nach Rezeptur unterschiedlichen Reihe weiterer Kräuter hergestellt wird. Der Alkoholgehalt liegt üblicherweise zwischen 45 und 85 Volumenprozent und ist demnach im oberen Bereich der Spirituosen angesiedelt. Wir verkaufen unsere Produkte seit dem Jahr 2012 auch in China und das Geschäft entwickelt sich gut. 

  

Es besteht zwar im Westen das Vorurteil, dass Chinesen keinen Alkohol vertragen, Fakt ist jedoch, dass die Menschen hier selbst eine ganze Reihe heimischer Spirituosen mit hohem Alkoholgehalt haben, die unter dem Begriff Baijiu zusammengefasst werden. Diese Schnäpse haben teilweise einen Alkoholgehalt von 50 Prozent. 

  

Chinesen schätzen und vertragen also durchaus Hochprozentiges. Wir haben stattdessen die Erfahrung gemacht, dass den Menschen hier eher bestimmte Biersorten mit hohem Alkoholgehalt zu Kopf steigen. Unser Bestseller in China ist die Sorte „35“, die auf einer speziellen Rezeptur aus 35 Kräutern basiert. Der Alkoholgehalt liegt bei 70 Prozent.“ 

  

 

 

  

 

Vorurteil Nummer 3: Chinesen trinken keinen Kaffee. 

  

Faktencheck mit Pietro Viganò, Export-Manager von Dallmayr Kaffee aus München: 

  

 

  

 

  

„Immer mehr Chinesen entdecken den Kaffee als Getränkealternative zum Tee. Insbesondere jüngere Menschen und solche mit besserem Einkommen sind auf den Kaffeegeschmack gekommen. Deshalb haben wir uns als deutsche Traditionsrösterei entschieden, nach China zu kommen und unsere Produkte auf der CIIE vorzustellen. Wir stehen gerade unmittelbar vor dem Markteintritt in China. 

  

 

   

 

Fakt ist, dass der chinesische Markt für Kaffee stetig wächst. In Metropolen wie Beijing oder Shanghai hat sich sogar eine lebendige Barista-Szene entwickelt, in der die Kunst des Filterkaffee-Aufgießens wiederauflebt und zelebriert wird. Das bietet für uns als Familienunternehmen mit langer Tradition eine spannende Chance.“ 

  

Vorurteil Nummer 4: Chinesen essen keinen Käse. 

  

Faktencheck mit Hein Raijmakers und Emily Ai vom holländischen Milcherzeugnisse-Hersteller FrieslandCampina: 

 

 

   

Emily Ai (l.), Assistant Product Manager Consumer Dairy, und Hein Raijmakers (r.), Marketing Director,  

mit Trachtenmodell am CIIE-Messestand von FrieslandCampina  

  

Ai: 

„Chinas Markt für Käseprodukte wächst stetig. Das konnten wir in den zehn Jahren, die wir auf dem chinesischen Festland aktiv sind, beobachten. Chinesen essen also durchaus auch Käse, wobei Kinderprodukte interessanter Weise fast die Hälfte des chinesischen Käsegeschäfts ausmachen. Auch wir haben verschiedene Kinderkäseprodukte mit milden Geschmacksnoten im Sortiment, die für uns als Firma ein gutes Sprungbrett zum chinesischen Verbraucher darstellen. Junge Chinesen von heute sind schließlich die Käseliebhaber von morgen.“ 

  

 

 

  

Raijmakers: 

„Richtig ist, dass chinesische Kunden bisher eher milde Sorten bevorzugen, worauf wir als Firma uns natürlich einstellen. Fakt ist aber auch, dass man in China, was das Essen angeht, durchaus experimentierfreudig und offen für neue Geschmackserlebnisse ist. Das gilt letztlich auch für Käse. Wir haben deshalb in China durchaus einige würzigere Sorten im Sortiment, auch wenn sich der Markt in dieser Hinsicht sicherlich erst noch entwickeln muss.“ 

  

Vorurteil Nummer 5: Chinesen vertragen keine Milch. 

  

Faktencheck mit Bob den Hartog von der dänischen Molkereifirma Arla: 

  

 

 

  

„Aktuelle Studien belegen tatsächlich, dass über 90 Prozent der Menschen in China eine Laktoseintolerenz haben. Allerdings ist das den wenigsten Chinesen bewusst, weshalb sie trotzdem Milch und Milchprodukte verzehren. Das Phänomen der Laktoseintoleranz ist in China eben einfach kaum bekannt. 

  

Ohnehin verzehren die Menschen hier letztlich pro Tag etwa nur ein Drittel der Menge an Milchprodukten, die wir im Westen täglich zu uns nehmen. Da fällt das nicht so sehr ins Gewicht. 

  

Die Firma Arla verkauft seit zehn Jahren verschiedene Molkeprodukte in China, darunter Milch und Milchpulver, Butter und Käse. Unser Hauptgeschäft machen Säuglingsnahrung und H-Milch aus. Allein unsere Firma verkauft jedes Jahr über 100 Millionen Liter Milch in China. Von daher können wir das Vorurteil, dass Chinesen keine Milch trinken, getrost widerlegen.“ 

  

 

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