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Das Drachenbootfest – Die Legende hinter dem berühmten Feiertag

2019-06-05 15:53:00 Source:China heute Author:
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Von Dang Xiaofei

 

Das Drachenbootfest ist ein fester Termin im chinesischen Festtagskalender und mittlerweile auch ein landesweiter Feiertag. Ursprünglich entstand das Fest aus der Himmelsverehrung und entwickelte sich aus der Opferzeremonie für das antike Totem des Drachen. Das Fest fällt in jedem Jahr auf den fünften Tag des fünften Monats des traditionellen chinesischen Mondkalenders. Nach dem westlichen Sonnenkalender variiert der Termin also. Im Jahr 2019 fällt das Fest auf den 7. Juni.

 

Traditionell bitten die Chinesen zum Drachenbootfest um Segen und Glück sowie Schutz vor allem Bösen und vor Katastrophen. Auch geht es um Reichhaltigkeit, Lebenskraft und Festlichkeit. Die Ursprünge dieses traditionellen Feiertages reichen bis in die Frühlings- und Herbstperiode (770 – 462 v. u. Z.) und die Zeit der Streitenden Reiche (475 – 221 v. u. Z.) zurück. Das Fest hat also eine lange Geschichte von mehr als zweitausend Jahren.

 

Herkunft des Drachenbootfestes

 

Das Drachenbootfest wurde ursprünglich im Gebiet Baiyue, das in der chinesischen Antike südlich vom Mittel- und Unterlauf des Yangtse-Flusses lag, begangen. Am Tag des Festes opferten damals einige Stämme, die auch als Guyue- oder Baiyue-Nationalität bezeichnet werden, dem Drachen, um diesem Ehre zu erweisen.

 

Auf diese Zeit geht auch einer der wohl bekanntesten Bräuche zurück, der noch bis heute Bestand hat: Bereits in der Frühlings- und Herbstperiode veranstaltete die Guyue-Nationalität jedes Jahr am fünften Tag des fünften Mondmonats ein Drachenbootrennen, um dem Drachen zu opfern und zu huldigen.



Beliebter Festtagswassersport: Anlässlich des Drachenbootfestes werden im In- und Ausland vielerorts Drachenbootrennen veranstaltet. 


Im Laufe der Geschichte haben sich die meisten Angehörigen der Baiyue-Nationalität über die Jahrhunderte in die Han-Nationalität integriert. Der Rest der Volksgruppe entwickelte sich zu verschiedenen Minderheiten Südchinas. In Folge der Verschmelzung der Volksgruppen wurde das Drachenbootfest allmählich zu einem Fest der gesamten chinesischen Nation.

 

Das Drachenbootfest gilt neben dem chinesischen Frühlingsfest (chinesisches Neujahr), dem Qingmingfest (chinesisches Totengedenkfest, „Fest des hellen Lichtes“) und dem Mondfest als eines der vier großen traditionellen Feste Chinas. Seit 2008 ist es ein gesetzlicher Feiertag in der Volksrepublik, und 2009 nahm die UNESCO das Fest offiziell in ihre Liste für immaterielles Kulturerbe auf. Das Drachenbootfest ist damit das erste chinesische Fest, das zum weltweiten Kulturerbe erklärt wurde.

 

Die Legende hinter den Festbräuchen

 

Es ranken sich viele spannende Legenden um das Drachenbootfest, wobei die Geschichte der „Erinnerung an Qu Yuan“ die am weitesten verbreitete ist:

 

Qu Yuan diente einst während der Frühlings- und Herbstperiode als Beamter im Staat Chu. Er war ein aufrichtiger Mann, stets besorgt um das Wohl von Land und Leuten, und engagierte sich für die Reform und Stärkung seines Heimatstaates. Doch eines Tages sollte Qu Yuan Opfer einer Intrige werden. Da aber der damalige König untüchtig und nicht in der Lage war, staatstreue Gefolgsleute und von böswilligen Schurken zu unterscheiden, schenkte er den Gerüchten Glauben, vertrieb Qu Yuan aus der Hauptstadt und verbannte ihn in abgelegene Gebiete. Auf seinem Weg in die Verbannung brachte Qu Yuan viele bekannte Gedichte zu Papier, darunter „Li Sao“ (Klagelied), „Tian Wen“ (Himmelsfragen) und „Jiu Ge“ (Neun Lieder), in denen er seiner Sorge um sein Vaterland Ausdruck verlieh.

 

Später griff die Armee des Staates Qin den Staat Chu an. Als Chu schließlich unterging, geriet Qu Yuan als großer Patriot, der kein staatenloses Dasein fristen wollte, in große Trauer. Am fünften Tag des fünften Mondmonats verfasste er sein letztes Gedicht „Huai Sha“. Danach schloss er einen schweren Stein fest in seine Arme und ertränkte sich damit im Miluo-Fluss (in der heutigen Provinz Hunan).



Traditioneller Festtagsimbiss: Zongzi, in Bambus- oder Schilfblätter gewickelte Klebreisklößchen, dürfen beim jährlichen Drachenbootfest nicht fehlen. Es gibt sie in verschiedenen süßen und deftigen Varianten. 


Als die Menschen im gefallenen Staate Chu von Qu Yuans Tode erfuhren, sollen sie in tiefe Trauer verfallen sein. Sie strömten in Scharen zum Ufer des Miluo, um den Tod ihres Landsmannes zu betrauern. Die Fischer ruderten mit ihren Booten auf den Fluss hinaus, um Qus Leichnam zu finden. Auf dieses Vorgehen geht der Brauch des heutigen Drachenbootrennens zurück. Ein Fischer soll damals zudem Reisbällchen, Eier und andere Lebensmittel in den Fluss geworfen haben. Wenn sich die Fische und Krebse an diesen Speisen labten, so sein Ansinnen, würden sie den Leichnam Qu Yuans verschonen. Die anderen Leute begannen dieses Vorgehen nachzuahmen. Ein alter Arzt soll sogar einen ganzen Krug Realgar-Wein in den Fluss gegossen haben, um damit die Flutdrachen und andere Tiere und Fabelwesen zu betäuben. Auch sie sollten Qu Yuans Leichnam verschonen. Da man befürchtete, die Flutdrachen könnten die Reisbällchen auffressen, wickelte man den Reis in robuste Blätter ein und verschnürte ihn mit bunten Fäden. Aus diesem Brauch soll sich die Zubereitung der so genannten Zongzi entwickelt haben – in festes Blattwerk eingewickelte Klebreisklößchen mit verschiedenen süßen oder deftigen Füllungen, die bis heute als traditionelle Festspeise zum Drachenbootfest verzehrt werden.

 

Später entstanden daraus feste Bräuche wie das Drachenbootrennen sowie die Zubereitung von Zongzi und Realgar-Wein zum Andenken an den patriotischen Dichter Qu Yuan.

 

Die wichtigsten Bräuche des Drachenbootfestes

 

Drachenbootrennen: Dieser chinesische traditionelle Volkswassersport blickt auf eine Geschichte von mehr als zweitausend Jahren zurück. Es handelt sich um einen Wettbewerb, bei dem sich Boote mit mehreren Profi- oder Hobby-Ruderern in Sachen Geschwindigkeit messen. Mittlerweile werden auch in einigen Orten im Ausland Ruderwettkämpfe zum Drachenbootfest veranstaltet. Der alte Festbrauch hat sich in der Neuzeit zu einem internationalen Wettbewerb entwickelt, der Menschen aus aller Welt zusammenbringt.

 

Verzehr von Zongzi: Diese in Schilfblätter oder andere Blätter eingewickelten Klebreisklöße verspeisen die Chinesen traditionell am Morgen des Drachenbootfestes zum Andenken an Qu Yuan. Die Zongzi werden normalerweise tags zuvor eingewickelt und nachts gekocht. Danach wird die pyramidenförmige Delikatesse gedämpft. Zongzi gibt es sowohl in süßen Varianten, zum Beispiel mit Dattel- oder Bohnenmusfüllung, oder in deftiger Form mit würzigen Fleisch- oder Eifüllungen.

 

Aufhängen von Beifuß und Kalmus: Zum Drachenbootfest kehren Familien traditionell Hof und Haus aus und hängen Kalmus und Beifuß am Türsturz auf. Die Stängel und Blätter des Beifußes enthalten flüchtige ätherische Öle, die Moskitos fernhalten. Aufgrund dieser Wirkkraft glaubten die Menschen im alten China, dass Beifuß auch böse Geister austreiben und Haus und Heim Segen bringen könne. Die langen, geraden Blätter des Kalmus erinnern an ein zweischneidiges Schwert, weshalb die Chinesen früher glaubten, auch Kalmus könne Dämonen und böse Geister austreiben. Durch das Aufhängen an der Tür soll die Pflanze ebenfalls den Hausfrieden schützen.

 

Das Binden fünffarbiger Seidenbänder: In der traditionellen chinesischen Kultur gelten Grün, Rot, Weiß, Schwarz und Gelb als die fünf Glücksfarben. Am Tag des Drachenbootfestes sollen die Kinder deshalb an ihren Handgelenken und Knöcheln möglichst Seidenbänder mit diesen fünf Glücksfarben tragen, um böse Geister fernzuhalten. Die fünffarbigen Seidenfäden, aus denen der Schmuck geschnürt wird, dürfen auch nach dem Fest nicht zerschnitten oder weggeworfen werden. Erst beim ersten Sommerregen oder dem ersten Badegang ist es dem Brauch nach gestattet, die Bänder in den Fluss zu werfen. Kinder, die diese fünffarbigen Fäden tragen, sind dem alten Volksglauben nach auch vor Schlangenbissen, Skorpionstichen und anderen Insektengiften geschützt. Wirft man die Fäden in den Fluss, spült dieser alle Seuchen und Krankheiten fort, so der Volksglaube.

 

Genuss von Realgar-Wein: Der Brauch, zum Drachenbootfest Realgar-Wein zu trinken, war früher vor allem im Yangtse-Tal beliebt. Bei besagtem Getränk handelt es sich um Schnaps oder Reiswein, der aus Realgarpuder hergestellt wird. Realgar wird auch als Gegengift und Arznei verwendet, weshalb die alten Chinesen glaubten, die Pflanze könne Schlangen, Skorpione und andere Insekten fernhalten. Am Morgen des Drachenbootfestes wird Kindern deshalb in manchen Region noch heute etwas Realgar-Wein an den Nasenlöchern und Ohrlöchern verrieben, zum Desinfizieren und zum Schutz vor giftigen Insekten.



Duftende Täschchen mit Heilkräutern: Diese parfümierten Glücksbeutel sollen ihren Besitzern Schutz und Segen bringen. 


Tragen von Parfümbeuteln: Das Tragen eines Parfümbeutelchens zum Drachenbootfest durch den Nachwuchs soll diesen der Legende nach ebenfalls vor bösen Geistern und Seuchen bewahren. Die traditionellen Duftbeutel sind in der Regel mit verschiedenen Duftstoffen gefüllt und außen mit fünffarbigen Fäden umwickelt. Die zierlichen und ansehnlichen Parfümtäschchen werden in verschiedensten Formen und Farben hergestellt. Heutzutage werden sie das ganze Jahr über als beliebtes Kunsthandwerk angeboten.

 

Drachenbootfest-Bad: Das Drachenbootfest fällt in die Zeit des Hochsommers, eine Jahreszeit der Hautkrankheiten. Die alten Chinesen pflegten deshalb, anlässlich des Festes Bäder mit gebratenen Süßgräsern wie Kalmus oder Beifuß zu nehmen, um Hautkrankheiten zu heilen und böse Geister auszutreiben.

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