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Nach Corona: Digitale Seidenstraße dürfte weiter an Bedeutung gewinnen

2020-09-01 11:10:00 Source:China heute Author:
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Im Rahmen des 2. Internationalen Hongqiao-Wirtschaftsforum (Hongqiao International Economic Forum) im Jahr 2019 fand auch ein Unterforum zum Aufbau der digitalen Seidenstraße statt.

 

Von Sun Jingxin*

 

Die digitale Seidenstraße stellt eine organische Verbindung der Entwicklung der digitalen Wirtschaft mit der Umsetzung der Seidenstraßeninitiative dar. Sie bezeichnet ein neues Lösungskonzept, das China für die Förderung der gemeinsamen Entwicklung der Menschheit im digitalen Zeitalter formuliert hat. 

 

Im Geist des Prinzips der gemeinsamen Konsultation, des gemeinsamen Aufbaus und des gemeinsamen Gewinnens bildet bei der Umsetzung der Seidenstraßeninitiative Gleichberechtigung die entscheidende Grundlage, Öffnung das zentrale Merkmal, Vertrauen ebnet den Weg und gemeinsames Gewinnen formt das Ziel. Die bisherige Praxis hat bewiesen, dass der Aufbau einer digitalen Seidenstraße dazu beitragen kann, die kulturellen Unterschiede zwischen den Anrainerländern zu überwinden, die digitale Kluft zu verkleinern und der Entwicklung der Weltwirtschaft neue Impulse zu verleihen. Insbesondere in der Postpandemiezeit dürfte die digitale Seidenstraße zunehmend an Bedeutung gewinnen.

 

Digitales als wichtiger Bestandteil der neuen Seidenstraßen

 

Kurz nach der Verkündung der Seidenstraßeninitiative wurde auch der Aufbau einer digitalen Seidenstraße auf die Agenda gesetzt. Im März 2015 veröffentlichten Chinas Staatliche Kommission für Reform und Entwicklung, das Außen- und das Handelsministerium gemeinsam die„Perspektiven und Aktionen für das Vorantreiben des gemeinsamen Aufbaus des Wirtschaftsgürtels Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Das Papier plädiert unter anderem dafür, gemeinsam grenzüberschreitende Grasfaserkabelnetze zu errichten, das Niveau der infrastrukturellen Verbindung und Vernetzung für die internationale Kommunikation zu heben und eine informationstechnische Seidenstraße anzulegen. In seiner Grundsatzrede auf dem Ersten Seidenstraßen-Gipfelforum für internationale Zusammenarbeitim Mai 2017 wies Chinas Staatspräsident Xi Jinping darauf hin, dass es gelte, an der innovationsgetriebenen Entwicklung festzuhalten. Dazu sei es notwendig, die Zusammenarbeit in wegweisenden Bereichen wie Digitalwirtschaft, künstliche Intelligenz, Nanotechnologie und Quantencomputer zu intensivieren, die Entwicklung von Big Data, Cloud Computing und Smart Cities voranzutreiben und so eine digitale Seidenstraße des 21. Jahrhunderts aufzubauen. Damit prägte Xi Jinping erstmals den Begriff der „digitalen Seidenstraße“. 

 

Auf der Nationalen Konferenz über Cybersicherheit und Informatisierung betonte Chinas Staatspräsident in einem weiteren Schritt, dass es gelte, die Umsetzung der Seidenstraßeninitiative als Chance beim Schopfe zu packen und die Zusammenarbeit mit den Anrainerländern etwa bei der Errichtung informationstechnischer Infrastruktur sowie in den Feldern Digitalwirtschaft und Cybersicherheit zu verstärken, um eine digitale Seidenstraße des 21. Jahrhunderts aufzubauen. 

 

Auf dem Zweiten Seidenstraßen-Gipfelforum für internationale Zusammenarbeit unterstrich Xi die Notwendigkeit, sich in den Trend der vierten industriellen Revolution einzufügen, die Entwicklungschancen der Digitalisierung, Internetvernetzung und KI-Anwendung zu nutzen, neue Technologien, Geschäftsformen und Modelle zu erforschen und nach neuen Triebkräften und Entwicklungswegen zu suchen, um eine digitale und innovative Seidenstraße aufzubauen. Während des wichtigen Forums wurde zudem ein eigenes Unterforum zum Aufbau der digitalen Seidenstraße veranstaltet.

 

Die digitale Seidenstraße umfasst als grundlegenden Inhalt vor allem die intensive internationale Zusammenarbeit im Bereich der Digitalwirtschaft. Durch enge Kooperation mit anderen Ländern etwa bei der Errichtung informationstechnischer Infrastruktur, der Förderung der gemeinsamen Teilhabe an Informationen und bei der Stärkung von internetbasierten Wirtschafts- und Handelsdienstleistungen sowie auch im Bereich des gesellschaftlich-kulturellen Austausches soll Hand in Hand eine Cyberspace-Schicksalsgemeinschafft aufgebaut werden. Zur Umsetzung dieser Initiative haben chinesische Wissenschaftler gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Länder im Mai 2016 eine internationale wissenschaftliche Initiative gestartet, die auf einer zehnjährigen Beobachtung des Weltraums basiert. An diesem Programm haben bis heute Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern und internationalen Organisationen teilgenommen. 

 

Die digitale Seidenstraße entstand zwar in China, gehört aber der ganzen Welt. Sie lenkt als neuer Motor bei der internationalen Seidenstraßenzusammenarbeit zunehmend Aufmerksamkeit auf sich. Im August 2019 wurde in der südwestlichen Metropolo Chongqing die Konferenz für internationale Zusammenarbeit im Rahmen der digitalen Seidenstraße abgehalten. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Digitalwirtschaft schon heute ein wichtiger Bestandteil der globalen Zusammenarbeit ist, der stetig neue Angebote erzeugt und neue Konsumnachfrage stimuliert. Die Seidenstraßenländer und -regionen sollten die Chancen bei der Entwicklung der digitalen Wirtschaft deshalb nutzen, um den Kooperationsspielraum weiter auszubauen.

 

Bereits Achtungserfolge erzielt


 

 

Die China International Electronic Commerce Expo 2019 & Digital Trade Expo wurde am 11. April 2019 in der internationalen Ausstellungshalle der Stadt Yiwu in der Provinz Zhejiang eröffnet.


Die Digitalwirtschaft ist weltweit im Aufwind. Angesichts dieses Trends setzen immer mehr Länder auf eine Förderung dieses Entwicklungsbereichs, auch im Rahmen der Seidenstraßeninitiative. Wie es in einem Forschungsbericht des australischen Lowy Institute heißt, haben zahlreiche chinesische High-Tech-Konzerne ihre Geschäftstätigkeiten im Bereich der digitalen Seidenstraße schon längst vom Asiatisch-Pazifischen Raum in die Golfregion und auch nach Afrika ausgedehnt, und das, obwohl die US-Regierung unter Aufbietung aller Kräfte den Marktzugang von Huawei in den USA und anderen Ländern zu blockieren versuchte. Durch die Umsetzung der Initiative der digitalen Seidenstraße haben viele Schwellenländer den Sprung von einer mangelnden informationstechnischen Infrastruktur hin zur Entwicklung von 4G-Netzen und entsprechenden technischen Plattformen geschafft. 

 

Im Dezember 2017 veröffentlichte Chinas Büro der Führungsgruppe für die Umsetzung der Seidenstraßeninitiative den „Aktionsplan für standardisierte Verbindung und Vernetzung im Rahmen der Seidenstraßeninitiative (2018 –2020)“. Darin wurde dazu aufgerufen, einheitliche Normen für technische Bereiche der 5G, KI und Satellitennavigation zu etablieren. Im August 2020 veröffentlichten Chinas Staatliche Kommission für Normenverwaltung und das Büro der Kommission beim Zentralkomitee der KP Chinas für Cybersicherheit und Informatisierung gemeinsam den „Leitfaden für den Aufbau des staatlichen Normensystems für KI neuer Generation“. In dem Papier wird gefordert, die internationale Zusammenarbeit im Bereich der KI-Normen zu vertiefen und der Übereinstimmung inländischer und internationaler Normen mehr Beachtung zu schenken. Bis Mitte 2019 hat China mit 16 Ländern ein Verständigungsmemorandum zur Stärkung der Zusammenarbeit beim Aufbau der digitalen Seidenstraße und mit 19 Ländern ein Verständigungsmemorandum zur Kooperation im bilateralen E-Commerce unterzeichnet. 

 

Unter Leitung der oben genannten politischen Richtlinien konnte schon in der Frühphase eine Vielzahl von Erfolgen beim gemeinsamen Aufbau der digitalen Seidenstraße erzielt werden. Zu nennen ist beispielsweise die Inbetriebnahme einer grenzüberschreitenden 100G-ULH-Übertragungsstrecke im November 2017 unter Anwendung der DWDM-Technologie. Sie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen China Telecom und dem russischen Netzbetreiber TransTeleCom. Ein weiterer Glanzpunkt war die Fertigstellung des chinesisch-pakistanischen grenzüberschreitenden Glasfaserkabelprojekts im Rahmen des Aufbaus des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors. Im Mai 2020 haben China Mobile International, das US-Unternehmen Facebook, der südafrikanische Telekommunikationsbetreiber MTN Global Connect, der französische Telecomkonzern Orange, die Saudi Telecom Company und Telecom Egypt gemeinsam verkündet, das Unterseekabel 2Africa zu verlegen, um dem afrikanischen Kontinent und dem Nahen Osten Telekommunikationsdienstleistungen anzubieten und bestehende Telekommunikationsverbindungen durch den Zusammenschluss mit anderen Unterseekabeln über Ostafrika bis nach Asien zu verlängern. Dieses Unterseekabelprojekt wird die größte Abdeckung afrikaweit haben und nach seiner Fertigstellung die Konnektivität in Afrika und dem Nahem Osten maßgeblich stärken. 

 

Neben solchen infrastrukturellen Großprojekten wurde in den vergangenen Jahren auch das digitale Zahlungssystem Alipay in mehr als 40 Ländern in Europa und Asien eingeführt. Die große chinesische Payment Plattform betreibt dort entweder Direktgeschäfte oder Geschäfte über einheimische Plattformen. Zudem baute der chinesische E-Commerce-Riese Jingdong ein Logistikzentrum in Thailand auf, während die Videoplattform Tik Tok in zahlreichen Ländern und Regionen in Südostasien große Erfolge feiert. 

 

Die Initiative der digitalen Seidenstraße knüpft auch an die Entwicklungsstrategien für Digitalwirtschaft vieler Länder an. Beispielsweise haben die zentralasiatischen Länder Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan jeweils ihre eigenen Entwicklungspläne für Digitalwirtschaft veröffentlicht. Im Dezember 2017 verabschiedete Kasachstan seinen „Nationalen Plan für ein digitales Kasachstan“, Usbekistan brachte im Juli 2018 ein Präsidialdekret über die „Maßnahmen zur Entwicklung der digitalen Wirtschaft“ heraus und veröffentlichte im November 2019 zudem den Entwurf und Umsetzungsplan für das „Staatliche strategische Konzept für ein digitales Usbekistan bis 2039“. Im November 2018 genehmigte der turkmenische Präsident das „Entwicklungskonzept für Digitalwirtschaft 2019 bis 2025“. Tadschikistans Präsident brachte im Dezember 2019 das „Konzept der digitalen Wirtschaft Tadschikistans“ auf den Weg. 

 

Für Südostasien wurde das Jahr 2020 zum China-ASEAN-Jahr der Zusammenarbeit für Digitalwirtschaft bestimmt. Die ASEAN-Länder arbeiten derzeit intensiv an der Erstellung ihrer „Umfassenden Strategie für die vierte industrielle Revolution“. Ziel ist es, Probleme in Governance, Wirtschaft und Gesellschaft, mit denen sich die ASEAN-Länder in der vierten industriellen Revolution konfrontiert sehen, zu lösen. 

 

In Afrika wurden die Projekte „Gesamtafrikanisches digitales Netzwerk“ und „Cybersicherheit“, die in der von der Afrikanischen Union verabschiedeten „Agenda 2063“ vorgesehen sind, als Schlüsselprojekte eingestuft. Im Mai 2019 fand der 5. Transform Africa Summit zum Thema „Förderung der afrikanischen Digitalwirtschaft“ statt. Dabei legte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta den „Entwurf für die afrikanische Digitalwirtschaft“ vor. Er rief alle afrikanischen Länder dazu auf, mittels Digitaltechnologie die Transformation und Niveauhebung der afrikanischen Wirtschaft voranzutreiben. In Lateinamerika ist insbesondere Uruguay einer der Vorreiter im Bereich digitale Entwicklung. Beim Pro-Kopf-Softwareexport steht das Land in Lateinamerika an erster Stelle. Fernando Lugris, uruguayischer Botschafter in China, erklärte, dass die Bevölkerung seines Landes großes Interesse daran habe, dass Uruguay ein Teil der digitalen Seidenstraße werde. Zugleich hoffe er, dass im Rahmen der Umsetzung der Seidenstraßeninitiative mehr innovative Unternehmen aus China Investitionen in Uruguay tätigten und das Land als guten Standort für ihre Geschäftstätigkeiten in Betracht zögen.  

 

Neben Chancen auch Herausforderungen

 

Allerdings sieht sich die digitale Seidenstraße als Novum auch mit unbestreitbaren Herausforderungen konfrontiert. Seit einigen Jahren verfolgen die USA die Entwicklung der digitalen Seidenstraße mit zunehmender Wachsamkeit und zeigen sich angesichts der Entwicklung der Initiative, die aus ihrer Sicht eine ernste Herausforderung für die USA darstellt, besorgt. 

 

Die Website „The Diplomat“ veröffentlicht im Juli 2019 einen Artikel, in dem sie darauf hinweist, dass China durch die digitale Seidenstraße in einen Wettbewerb um strategische Technologien trete und das Modell des „digitalen Autoritarismus“ auf der Welt verbreiten wolle. Robert Atkinson, Präsident der amerikanischen Information Technology and Innovation Foundation, erklärte in diesem Zusammenhang: „Als Antwort auf Chinas Ehrgeiz bei der digitalen Entwicklung sollten wir bei Spitzentechnologien jeden einzelnen Marktanteil auf der Welt an uns reißen.“ 

 

In der Praxis haben die USA damit bereits begonnen, dem Aufbau der digitalen Seidenstraße Paroli zu bieten und die globale Entwicklung von Chinas High-Tech-Unternehmen zu behindern. Einerseits setzt die Regierung in Washington die Mechanismen für die „Partnerschaft der digitalen Verbindung und Vernetzung sowie der Cybersicherheit“ in Gang, um der digitalen Seidenstraße Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Andererseits wird die Unterstützung heimischer Unternehmen und ihrer Kooperationspartner intensiviert. Und als aktive Gegenmaßnahmen zu Chinas digitaler Seidenstraße werden außerdem „Alternativpläne“ entwickelt. 

 

Zeitgleich versucht die US-Regierung, chinesische High-Tech-Unternehmen wie Huawei von allen Seiten unter Druck zu setzen. Am 5. August 2020 verkündete US-Außenminister Pompeo auf einer Pressekonferenz fünf Maßnahmen zur Durchsetzung eines „sauberen Internets“. Sie richten sich vor allem gegen sieben chinesische High-Tech-Unternehmen, darunter Huawei, China Mobile und die chinesische Suchmaschine Baidu. Zudem wurde ein Verbot gegen verschiedene chinesische Apps verhängt und in einem weiteren Schritt der Zugang chinesischer Unternehmen zum amerikanischen „Cloud System“ blockiert.

 

Am 6. August unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Regierungsdekret, das es dem chinesischen IT-Riesen Tencent verbietet, Handel mit Personen und Entitäten, die unter Verwaltung der amerikanischen Justiz stehen, zu treiben. Zudem forderten die USA die Mitglieder der sogenannten Five Eyes Alliance auf, auf jeglichen Einsatz von Huawei-Technik zu verzichten. 

 

Die USA zwingen ihre Bündnispartner also, sich von China digital zu entkoppeln. Dabei setzen sie insbesondere auf Japan als wichtigen Partner, um die digitale Seidenstraße, insbesondere in Südostasien, zu torpedieren. Japan und die USA teilen sich hierbei die Aufgaben, wobei die Vereinigten Staaten Japan den Rücken stärken. Die USA werfen China vor, durch die Umsetzung der Seidenstraßeninitiative das chinesische Modell „Digitalisierung plus das System der Bündelung der landesweiten Kräfte auf ein Ziel“ zu exportieren, und führen einen Feldzug gegen chinesische Staatsunternehmen, die vermeintlich „unfairen Wettbewerb“ betreiben“. 

 

Neben äußeren Störungen stehen viele Seidenstraßenländer noch vor einem weiteren Problem, nämlich einer bisher nur schwachen Grundlage zur Entwicklung der Digitalwirtschaft sowie einer insgesamt mangelhaften Infrastruktur. Das beeinträchtigt das Entwicklungstempo der digitalen Wirtschaft vor Ort sowie die Qualität und Effizienz digitaler infrastruktureller Dienstleistungen. 

 

Um diese Probleme zu lösen, gilt es, als erstes die Kapazitäten der Breibandnetze und des Internets in großem Maße zu erhöhen. Die zentralasiatischen Staaten, aber auch einige Länder und Regionen Asiens und Europas hinken beim Hardware-Aufbau der digitalen Infrastruktur deutlich hinterher. In Afrika ist die Internetabdeckung noch immer niedrig. Auf diesem Kontinent verfügen nur einige wenige Städte über die Voraussetzungen für digitalen Handel, mobile Zahlungen, Onlineshopping und E-Commerce. Auch andere digitale Dienstleistungen sind bei der afrikanischen Bevölkerung noch kaum verbreitet. 

 

Zeitgleich sieht sich die Entwicklung der Digitalwirtschaft in Afrika auch mit Schwierigkeiten der Governance konfrontiert. Nur einige wenige afrikanische Länder tätigen strategische und systemische Investitionen in die digitale Infrastruktur, die entsprechenden Dienstleistungen und die Herausbildung von entsprechendem Know-how. Start-ups stoßen hier oft auf Finanzierungsschwierigkeiten und viele Verbraucher sind schon einmal Internetbetrügern auf den Leim gegangen. 

 

Gute Perspektiven für die Zukunft

 

Der gemeinsame Aufbau der digitalen Seidenstraße durch China und andere Länder steht gewiss noch am Anfang. Obwohl bereits beachtliche Erfolge erzielt werden konnten, steht das Projekt dennoch vor ernsten Herausforderungen. 

 

Auf der Videokonferenz über internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Seidenstraßeninitiative am 18. Juni wurde ein Konsens darüber erzielt, neue Wachstumstreiber der Zusammenarbeit zu schaffen, um eine digitale Seidenstraße aufzubauen. Dazu zählt etwa, die innovative Kooperation weiter zu vertiefen, den E-Commerce auszubauen, intelligente Städte zu errichten sowie Ökosysteme und Umwelt stärker zu schützen.

 

Ein Artikel in der Fachzeitschrift „Global Trade“ vom 27. Juli kommt zu dem Fazit, dass Chinas digitale Seidenstraße vor dem Hintergrund der angespannten chinesisch-amerikanischen Beziehungen und der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie bei der Errichtung eines neuen Handelssystems und der Vertiefung der Handelsbeziehungen mit den Entwicklungsländern eine große Rolle spielen wird, wodurch die Weltwirtschaft entscheidend umgebaut werden dürfte. Die amerikanische auf Risikoanalyse spezialisierte Website „Brink“ veröffentlichte einen Bericht, in dem es heißt, dass China große Erfolge bei der Anwendung von KI und anderen digitalen Technologien bei der Erkennung sowie der Kontrolle und Überwachung von Corona-Infizierten erzielt habe. Diese erfolgreichen Erfahrungen kämen auch den Seidenstraßenländern zugute. Die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA und die Pandemiebekämpfung würden die Volksrepublik anspornen, für die Umsetzung der Seidenstraßeninitiative noch mehr Kooperationsmodelle anzuwenden. 

 

Wie lassen sich die Kooperationen weiter vertiefen?

 

Zur Förderung des Aufbaus der digitalen Seidenstraße in der Postpandemiezeit, zur Vermehrung neuer Wachstumstreiber für die Wirtschaftsentwicklung in verschiedenen Ländern und zur Stärkung neuer Triebkräfte zur weltwirtschaftlichen Erholung bieten sich folgende Kooperationsschwerpunkte an: 

 

Erstens eine verstärkte Zusammenarbeit beim Hartware-Aufbau:

 

Branchenkenner sind der Ansicht, dass die digitale Infrastruktur ein Kernelement zum Aufbau der digitalen Seidenstraße bildet. Deshalb ist es erforderlich, den Aufbau der digitalen Infrastruktur, insbesondere in Bezug auf Internet und Telekommunikation, energisch voranzubringen und die infrastrukturelle Verbindung und Vernetzung der Seidenstraßenländer zu fördern. Chinas High-Tech-Unternehmen sollten ihre Stärken in Technologie und Kapital zur Geltung bringen und sich aktiv an Hardwareaufbauprojekten in Bereichen des Internets, des Internets der Dinge, der grenzüberschreitenden Grasfaserkabelnetze und der Unterseekabel beteiligen. Dabei kann China die Digitalkapazitäten anderer Länder auch dadurch erhöhen, dass es diesen die Profite aus der digitalen Transformation zuteilwerden lässt. Zudem bieten sich eine Reihe ergebnisorientierter Projekte in Wissenschaft und Technik im Finanzwesen, E-Commerce und intelligenten Verkehr an.

 

Zweitens eine stärkere Zusammenarbeit bei der digitalen Governance: 

 

Gemäß dem Prinzip der gemeinsamen Teilnahme, des gemeinsamen Gewinnens und der gemeinsamen Verantwortung sollte man auf Dialog und Austausch im Bereich der digitalen Governance setzen, damit das Governance-Niveau der Seidenstraßenländer gemeinsam erhöht wird. Die chinesischen Konzepte und Praxiserfahrungen sollten den betreffenden Ländern vermittelt werden, um diesen dabei zu helfen, Rechtsvorschriften und politische Maßnahmen im Bereich der Informationssicherheit etwa in Bezug auf geistiges Eigentum, Schutz der Privatsphäre und grenzüberschreitende Datenübertragung auszuarbeiten. Zugleich sollte auch die Führungsrolle der Regierung entfaltet, die politische Anknüpfung auf der Ebene der makroökonomischen Governance verstärkt und ein Entwurf auf höchster Ebene erstellt werden. Zudem gilt es, Unternehmen dazu anzuhalten, sich aktiv an Schwerpunktbauprojekten zu beteiligen, während die gesellschaftlichen Organisationen dazu gebracht werden sollten, an der digitalen Governance teilzunehmen.  

 

Drittens Ausbau der Zusammenarbeit im E-Commerce:

 

In den Seidenstraßenländern besitzen chinesische E-Commerce-Unternehmen beachtliche Stärken. 2016 knackte Chinas grenzüberschreitender elektronischer Handel die Eine-Billion-Yuan-Marke, 2019 sogar die 10-Billionen-Yuan-Marke. 2020 dürfte er 12,7 Billionen Yuan erreichen. Laut Statistiken des chinesischen Generalzollamts wurden 2019 landesweit 6000 neue Unternehmen für grenzüberschreitenden E-Commerce gegründet und das Gesamtvolumen von Einzelhandelsein- und -ausfuhren beim grenzüberschreitenden E-Commerce betrug 186,21 Milliarden Yuan, ein Wachstum von 38,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den ersten fünf Monaten 2020 lag das Gesamtvolumen der Einzelhandelsein- und -ausfuhren beim grenzüberschreitenden E-Commerce bei 71,73 Milliarden Yuan, ein Wachstum von 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 

 

Die E-Commerce-Plattformen helfen Außenhandelsunternehmen, Exportartikel auf dem Inlandsmarkt zu verkaufen. Dabei nutzen sie vor allem Stärken im Bereich des Streamings und andere Modelle der Absatzförderung und Kundenanwerbung. Sie sind damit ein wichtiger Kanal für Außenhandelsunternehmen zur Erschließung des Inlandsmarktes. 

 

Im November 2019 wurden die „Richtlinien des Zentralkomitees der KP Chinas und des Staatsrates für die Förderung der hochqualitativen Entwicklung des Handels“ veröffentlicht. In dem Papier wird betont, die Entwicklung des E-Commerce der Seidenstraßenländer als wichtigen Hebel für die Vertiefung der Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit bei der Umsetzung der Seidenstraßeninitiative voranzubringen. Demnach gilt es, die Kooperation im Bereich des elektronischen Handels auszubauen, damit die Vorteile immer mehr Menschen zuteilwerden.

 

Viertens eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Heranbildung von Fachkräften: 

 

Fachkräfte bilden die Grundlage aller Unternehmungen. Seit einigen Jahren haben China und einige Länder Untersuchungen zur gemeinsamen Heranbildung von Fachkräften für Digitalwirtschaft angestellt und dabei positive Erfahrungen gesammelt. Um diesen positiven Trend fortzusetzten, sollten in Zukunft gemeinsame Entwicklungszentren errichtet werden, wobei Hochschulen und Universitäten als Hauptakteure fungieren können. Sie sollten unter anderem gemeinsame Projekte und gezielte Ausbildungsprojekte durchführen. Dabei ist es wichtig, dass Kooperationsprojekte zwischen Regierungen eine flankierende Rolle entfalten. Diese sollten zudem schwerpunktmäßig neue Lehrfächer für Digitalwissenschaften, kooperative Forschungen und Praktikumsstandorte unterstützen. 

 

*Sun Jingxin ist Direktor des Zentrums für internationale Kommunikation der Forschungsakademie für das gegenwärtige China und die Welt.  

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