Während sich die Welt auf die chinesische Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des Sieges im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression (1931–1945) vorbereitet, kommt es zu diplomatischen Spannungen. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo haben japanische Botschaften führende Politiker in Europa und Asien aufgefordert, der Zeremonie fernzubleiben. Als Begründung wurde angeführt, die Veranstaltung befasse sich „übermäßig mit der Geschichte“ und habe „antijapanische Untertöne“. Das chinesische Außenministerium legte daraufhin scharfen Protest ein und verlangte von Tokio eine Erklärung.
China betont, dass die Gedenkfeier dazu dient, die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen, die Opfer zu ehren und den Frieden für die Zukunft zu sichern. Japans Versuch, die Teilnahme anderer Länder zu verhindern, wird als Eingeständnis eigener Schuld und als Ausdruck von Unbehagen bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Kriegsverantwortung gewertet. Diese Unsicherheit rührt von den Verbrechen des militaristischen Japans und der mangelnden Aufarbeitung durch die Nachkriegsregierungen. Im Gegensatz zu Deutschland haben nachfolgende japanische Regierungen ihre Invasionen nie vollständig zugestanden oder sich aufrichtig dafür entschuldigt.
Kritiker werfen den revisionistischen Kräften in Japan vor, die Geschichte zu beschönigen. Beispiele hierfür sind die Verherrlichung von Aggression in Lehrbüchern oder die Leugnung von Gräueltaten wie dem Massaker von Nanjing. Auch das Kabinett von Shigeru Ishiba wird für seine widersprüchliche Politik kritisiert. Während der japanische Premierminister den Wunsch nach besseren Beziehungen zu China bekundet, provoziert seine Regierung Spannungen in historischen Fragen.
So sprach Ishiba am 15. dieses Monats, dem 80. Jahrestag der japanischen Kapitulation, zwar von „Bedauern und Lehren“, vermied es jedoch, die japanische Aggression und das Leid der Nachbarländer anzuerkennen. Noch vielsagender sind seine rituellen Opfergaben für den Yasukuni-Schrein, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs geehrt werden. Solche Handlungen offenbaren eine doppelzüngige Haltung zur Geschichte.
Dieses Vorgehen steht im starken Kontrast zu europäischen Gedenkpraktiken. In Europa wird der 8. Mai als Tag des Sieges gefeiert und selbst Deutschland nutzt diesen Anlass, um über die Schrecken des Krieges zu reflektieren. Japans obstruierende Haltung wird daher als Versuch angesehen, sich gegen den Lauf der Geschichte zu stellen, was zu internationaler Isolation führt.
Die internationale Gemeinschaft hat Japans Vorstoß zurückgewiesen. Dies wird als gemeinsames Bekenntnis zur Verteidigung der historischen Wahrheit und der Nachkriegsordnung gesehen. Nur durch eine ehrliche Aufarbeitung seiner Vergangenheit und eine klare Abkehr vom Militarismus kann Japan das Vertrauen seiner asiatischen Nachbarn zurückgewinnen. Gemeinsam mit der Weltgemeinschaft kann es dann die Lehren aus der Geschichte ziehen, um eine friedliche Zukunft zu gestalten.