Ein Blick auf Shenzhen in der südchinesischen Provinz Guangdong. ( 24. April 2025, Xinhua)
Die aktuellen Zeiten sind keine leichten Zeiten. An einigen Orten der Welt herrscht Krieg, die Meinungsdifferenzen zwischen großen Ländern scheinen tiefer und zahlreicher zu werden. Statt im Gemeinsamen zu denken, wollen sich einige Länder lieber auf sich selbst fokussieren („America First“) oder in kleinen Cliquen agieren, die andere Länder gemäß einer Nullsummenlogik ausschließen. Statt Win-win scheint bei einigen Politikern mehr die Prämisse „Ich oder du“ vorzuherrschen. Diese allgemeine geopolitische Lage wirkt sich logischerweise negativ auf die einzelnen Volkswirtschaften aus. Doch anders als diese stagnierenden oder teilweise sogar zurückgehenden Wirtschaften sticht China mit positiven Zahlen hervor. Selbst in den letzten Jahren sind dem Land durchgehend Wachstum, Fortschritt und Verbesserung gelungen. Wie ist das möglich und wie kann die Zentrale Wirtschaftskonferenz auch für die Zukunft dafür sorgen?
Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Reformen
Während beispielsweise Deutschland in den letzten Jahren häufig negative Wachstumszahlen zu vermelden hatte, konnte China selbst in den schwierigsten Pandemiejahren 2021 und 2022 Wachstum erzielen, 2023 und 2024 sogar wieder beträchtlich. Durch weitsichtige Planung und die Festlegung von klaren Prioritäten bei Zukunftsthemen hat sich Chinas Wirtschaft bereits jetzt neu aufgestellt – mit Blick in die Zukunft. Die zuständigen Ministerien und die Zentralbank haben die richtigen fiskalpolitischen Entscheidungen getroffen und die Inflation blieb auf einem geringen Niveau. Diese Behörden haben mit verschiedenen Maßnahmen wie dem Inzahlungnahmeprogramm den Konsum belebt und dafür gesorgt, dass jährlich etliche neue Arbeitsplätze entstehen konnten und das Land auch bei Investoren auf der ganzen Welt als stabiler Anker wahrgenommen wurde. Auf der Konferenz am Mittwoch und Donnerstag wurde daher von einem „wahrhaft außergewöhnlichen“ Jahr 2025 gesprochen, in dem die wichtigsten Ziele erreicht werden sollen.
Auch die ansonsten häufig eher chinakritische deutsche Politik gestand diese Erfolge jüngst ein, wie etwa Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), der bei seinem Chinabesuch von den enormen „Technologieschüben“ sowie dem „Wissensdurst und Anpassungsfähigkeit“ der Chinesen sprach.Internationale Banken bzw. Finanzorganisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) haben folglich kürzlich ihre Wachstumsprognosen für China für 2026 angehoben.
Chinas Zukunft: Grüne Transformation und Innovation
Für die Zukunft hieß es auf der Zentralen Wirtschaftskonferenz nun, das allgemeine „Arbeitsprinzip des Strebens nach Fortschritt“ bei gleichzeitiger Wahrung der Stabilität beizubehalten. In den Empfehlungen für den nächsten Fünfjahresplan werden die nationalen Prioritäten ganz offen ausbuchstabiert: Quantentechnologie, Biomanufacturing, Wasserstoff- und Fusionsenergie, Gehirn-Computer-Schnittstellen, verkörperte künstliche Intelligenz sowie 6G-Kommunikation. Entsprechend beschäftigte sich auch die Wirtschaftskonferenz in dieser Woche mit folgenden Fragen: Wie können die Weichen so gestellt werden, dass chinesische staatliche und private Unternehmen nicht nur 2026 erfolgreich, sondern auch darüber hinaus erfolgreich sein können? Wie kann sichergestellt werden, dass Investitionen in die strategisch prioritären Bereiche fließen?
Die Antwort lautet, die innovationsgetriebene Entwicklung weiter voranzutreiben, um neue Wachstumsimpulse zügig zu fördern und zu stärken. Dazu sollen Bildung, Forschung, Technologie und Talentförderung enger miteinander verknüpft werden; Beijing, Shanghai und die Greater Bay Area (Guangdong–Hongkong–Macao) sollen als internationale Innovationszentren ausgebaut werden. Die Rolle der Unternehmen bei Innovationsprozessen soll gestärkt werden und der Schutz geistigen Eigentums soll verbessert werden. Außerdem steht die qualitative Weiterentwicklung des Dienstleistungssektors auf der Agenda; in wichtigen Industrie- und Wertschöpfungsketten sollen durch gezielte Maßnahmen hochwertige Fortschritte erreicht werden. Ergänzend sollen die KI-Plus-Strategie vertieft und die KI-Governance gestärkt sowie innovative Hightech-Finanzdienstleistungen gefördert werden.
KI-Produkte werden in der ostchinesischen Stadt Shanghai ausgestellt. (29. April 2025, Xinhua)
Einige Themen auf der Konferenz hängen nicht zuletzt unmittelbar mit der Bekämpfung des Klimawandels zusammen. Während in Europa immer noch kein Konsens über die Richtung in der grünen Transformation besteht und die USA unter Trump 2.0. aktuell sogar in die gegensätzliche Richtung zu steuern scheinen, hat Chinas Führung schon früh konsequent auf eine grüne Transformation gesetzt. In der Folge ist in den letzten Jahren ein bemerkenswerter Ausbau der grünen Energiequellen gelungen. Allein in den ersten sechs Monaten 2025 sind rund 264 Gigawatt an neuen Wind– und Solarkraftwerken installiert worden. Laut dem Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) gibt es in China nun über 1 Terawatt an Solarleistung – das hat sonst kein anderes Land auf der Welt geschafft! Erst im September bei der UNO untermauerte Präsident Xi Jinping noch einmal Chinas riesiges Engagement: Bis 2035 sollen die Emissionen um 7 bis 10 Prozent im Vergleich zum Höchststand zurückgehen. Besonders plastisch ist dieser klare Kurs in der Elektromobilität zu erkennen. China ist zum größten Markt für Elektrofahrzeuge geworden und hat eine global wettbewerbsfähige Industrie von Batterien bis hin zu kompletten Fahrzeugen etabliert. Auf der Wirtschaftskonferenz wurde zudem beschlossen, die Anwendung von Ökostrom auszuweiten und den nationalen Emissionshandelsmarkt weiterzuentwickeln.
Aus all dem geht unverkennbar hervor, dass China mit seiner Politik der langfristigen Planung dafür gesorgt hat, perfekt auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Die Aussagen und Dokumente während der diesjährigen Wirtschaftskonferenz machen erneut deutlich, dass die richtigen Prioritäten erkannt wurden und die gesamte Wirtschaft mit geeinter Kraft in die Zukunft steuert. Somit wird China mit Sicherheit auch 2026 ein Zugpferd der globalen Wirtschaft und ein Magnet für ausländische Investoren bleiben. Die Welt sollte daher ganz genau hinschauen, was in diesen Tagen in Beijing besprochen wird.
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