HOME>Gesellschaft

Zhenjiang und Mannheim: Alles begann mit einem Maimarktbesuch

2026-03-17 09:19:00 Source:cdd-online.com.cn Author:Prof. Dr. Norbert Egger*
【Schließen】 【Drucken】 GroßMittelKlein

Die Städtepartnerschaft zwischen Mannheim und Zhenjiang besteht nun schon seit 2004, also seit 22 Jahren. Ihren Anfang nahm diese besondere Verbindung aber schon viel früher, nämlich als Zhou Qiming, der einstige Chef des Amtes für Auslandsangelegenheiten Zhenjiangs, Mannheim zu Beginn des Jahres 1994 anschrieb. Er bat um eine offizielle Kontaktaufnahme zwischen beiden Städten. Bald danach lud ich als damaliger Erster Bürgermeister in einem Antwortschreiben Vertreter der Stadt Zhenjiang noch im selben Jahr zu einem Besuch des für Mannheim und die ganze Rhein-Neckar-Region bedeutenden Maimarktes ein. Diese regionale Großveranstaltung mit ihren jährlich über 1000 Ausstellern aus aller Welt findet schon seit vielen Jahrhunderten immer an elf Tagen in der Zeit zwischen Ende April und Anfang Mai statt, aktuell mit weit über 400.000 Besuchern. Auf meine Einladung hin reiste schließlich eine dreiköpfige Delegation aus Zhenjiang zum Besuch des Markts nach Mannheim. Diese Stippvisite sollte der Beginn einer großen Freundschaft und Kooperation werden, die nun schon mehr als 30 Jahre anhält. 

 

 

 

Landschaft des Beigu Bergs im Stadtbezirk Jingkou von Zhenjiang 

 

Schon bei diesem ersten Besuch im Jahr 1994 wurde vereinbart, dass Zhenjiang im Folgejahr selbst mit einer größeren Delegation und einem eigenen Verkaufsstand am Maimarkt teilnehmen würde. Gleichzeitig traf ich mit der dreiköpfigen Delegation unter Leitung von Zhou die Absprache, Ende Juni 1994 während der Urlaubsreise von meiner Frau und mir in China einen Abstecher nach Zhenjiang zu machen, um diese Stadt in der Provinz Jiangsu zu besuchen und die Details der offiziellen Teilnahme am Maimarkt 1995 zu besprechen. Zum vereinbarten Zeitpunkt wurden wir dann herzlich in der über 3000 Jahre alten und bedeutenden Kulturstadt an der Kreuzung des Yangtse und des Kaiserkanals empfangen und besprachen mit der Leitung der Stadt das für damalige Verhältnisse großartige Vorhaben, als erste chinesische Stadt überhaupt am Mannheimer Maimarkt teilzunehmen. Dies bot Zhenjiang eine Chance, als Aussteller das Tor weit in das damals vielen Deutschen noch relativ unbekannte, ferne China aufzustoßen. 

 

Damals haben wir in einer großen Runde besprochen, welche Artikel und Produkte aus Zhenjiang im darauffolgenden Jahr zum Maimarkt mitgebracht werden sollten. Meine Frau und ich hatten vorgeschlagen, hauptsächlich Dinge anzubieten, die zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland noch nicht allgemein zu erwerben, aber bei den Deutschen sehr begehrt waren, wie zum Beispiel Seidenartikel, Porzellan oder grüner Tee. 

 

Zhenjiang hatte eine große Delegation unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Fang Zhizhou  für die erste große Marktteilnahme zusammengestellt. Die eine Gruppe unter Leitung des Oberbürgermeisters hatte die Aufgabe, wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen mit der Stadt Mannheim, der örtlichen Industrie- und Handelskammer sowie Unternehmen der Region, die andere, recht große Gruppe war derweil damit betraut, am Marktstand von morgens acht Uhr bis in den Abend hinein die Menschenscharen mit den vielen mitgebrachten chinesischen Produkten zu bedienen. Auch für meine im Jahr 2017 leider verstorbene Frau war es eine Herzenssache, jeden Tag ab frühmorgens am Stand bei den chinesischen Freunden mitzuwirken. 

 

Recht schnell waren die begehrten Produkte aus China ausverkauft – mit einer Ausnahme. Dabei handelte es sich um einen massiven Tisch aus Rotholz und zwölf dazugehörige, ebenfalls sehr schwere Armlehnstühle, verziert mit kleinen Löwen, die sehr kunstvoll hineingedrechselt worden waren. Da diese wunderbaren, in meisterhafter Handarbeit und aus bestem Holz hergestellten Möbelstücke am Ende tatsächlich keinen Käufer fanden, ließ ich das Mobiliar kurzerhand nach Ende des Marktes in unser Museum transportieren. Die damalige Museumsdirektorin, Frau Dr. von Welck, und ich riefen dann einige Tage später in einem Presseartikel die interessierte Öffentlichkeit dazu auf, diese in Deutschland äußerst seltenen Einrichtungsstücke zu erwerben. In dieser Verlautbarung wies ich darauf hin, dass zwei bedeutende chinesische Meister ein volles Jahr lang an der Vollendung dieses Werkes aus hartem, teurem Holz mit seinen filigranen Tierverzierungen gearbeitet hatten. 

 

 

 

Farbenfroher Winter in Zhenjiang: der Sumpfzypressenwald im Landschaftsgebiet des Jinshan-Tempels

  

Schon bald danach meldete sich eine freundliche ältere Dame, die anonym bleiben wollte, mit der freudigen Nachricht, dass sie uns die zum Erwerb nötigen 80.000 D-Mark spenden wolle. Als ich kurz darauf im Amt für Auslandsangelegenheiten der Stadt Zhenjiang anrief und diese äußerst positive Botschaft telefonisch überbrachte, hörte ich praktisch durch die Telefonleitung hindurch rund 9000 Kilometer entfernt, wie dort ein „schwerer Stein“ zu Boden fiel und die Stadt von einer großen Sorge befreit wurde. 

 

Diese einzigartige Möbelgarnitur steht nun in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Sie hat inzwischen einen gewaltigen Wertzuwachs erfahren, da es heute selbst in China sehr schwierig geworden ist, noch derart qualifizierte Kunsthandwerker zu finden, wie mir im Jahr 2018 beim Besuch der Herstellerfirma in Zhenjiang deren Vertreter erklärten. 

 

Auf diese denkwürdige und erfolgreiche Premiere folgten dann in den Folgejahren bis 2001 weitere Marktteilnahmen der Stadt Zhenjiang – immer mit zahlreichen Mitarbeitern und unter der „Regie“ der Dolmetscherin Lin Deping. Zhenjiang wurde so zu einem festen Begriff für die vielen Tausenden Marktbesucher aus der ganzen Region. Letztlich war dies die beste Werbung für die noch viel bedeutenderen Kooperationen mit der Stadt Mannheim, die später folgen sollten. 

 

  

 

Die Planskizze von Prof. Li Zheng für den chinesischen Garten in Mannheim (Foto: Norbert Egger) 

 

Die Krönung einer Freundschaft: Der Chinesische Garten „Duo Jing Yuan“ („Garten der vielen Ansichten“) 

Die Idee, auch in Mannheim einen malerischen chinesischen Garten zu errichten, kam meiner Frau bei unseren Besuchen im Rahmen unserer Jahresurlaube in China. Denn diese hatten wir über 30 Jahre lang immer von unserem ersten Anlaufpunkt Shanghai aus und mit einem Besuch des dortigen Yu-Gartens begonnen. Von dort ging es dann gewöhnlich in das ca. 260 Kilometer entfernte Nanjing. In der Hauptstadt von Jiangsu trafen wir stets den damaligen Gouverneur Ji Yunshi und besuchten anschließend die herrlichen Gärten beispielsweise in Suzhou, Wuxi, Nanjing und Yangzhou. 

 

Von der Idee meiner Frau war ich begeistert und griff sie gerne auf. Um nun auch in Mannheim diese großartige kulturhistorische Errungenschaft des chinesischen Volkes aufzubauen – nämlich einen Garten im südchinesischen Stil –, brauchten wir grundsätzlich vier Dinge: ein geeignetes Grundstück, ausreichende finanzielle Mittel, qualifizierte chinesische Planer und zur Umsetzung ein chinesisches Bauunternehmen. 

 

 

 

Tradition trifft Moderne: Der alte Yuntai-Pavi lon auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges bietet einen Panoramablick auf den Jangtse und die Stadt Zhenjiang. 

 

Im Mannheimer Luisenpark, einem wunderschönen, weit über hundert Jahre alten Garten, in dem 1985 die Bundesgartenschau mit über acht Millionen Besuchern durchgeführt worden war, bot sich ein ideales Gelände dafür an, zumal ich in der Stadtpark GmbH den Vorsitz des Aufsichtsrats innehatte. Geldmittel vom deutschen Staat oder der Stadt Mannheim allerdings kamen zur Finanzierung des Projekts nicht in Frage, da Ende der 1990er Jahre überall in den öffentlichen Kassen in Deutschland große Geldnot herrschte. Also war es meine primäre Aufgabe, wohlhabende private Spender, Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen zu überzeugen, mir einen Teil ihres Geldes zur Finanzierung dieses ehrgeizigen Projektes zur Verfügung zu stellen. Bis Mitte 2000 hatte ich die benötigte Summe von rund 4,4 Millionen D-Mark zusammen. 

 

 

 

Ein Stück Fernost im Mannheimer Luisenpark – der chinesische Garten „Duo Jing Yuan“ (Foto: Norbert Egger) 

 

Es war mir von vornherein klar, dass die Auswahl eines qualifizierten Planers und einer zuverlässigen Baufirma gründliche Vorbereitung erforderte. Glücklicherweise kannte ich damals schon seit einigen Jahren den Gouverneur Ji sehr gut. Wir trafen uns jedes Jahr in Nanjing. So bat ich ihn im Jahr 1998, für das Frühjahr 1999 die besten Gartenplaner aus seiner Provinz zu einem Workshop in das mir inzwischen schon gut vertraute Zhenjiang einzuladen, bei dem sie uns ihre Ideen und Überlegungen für einen China-Garten mit Teehaus im Mannheimer Luisenpark vortragen sollten. Unsere kleine fachkundige Gruppe hörte die hochinteressanten Vorträge der Fachleute aus Suzhou, Wuxi, Yangzhou, Nanjing und Zhenjiang. Anschließend fuhren wir jeden Tag in eine dieser Städte, um ihre jeweiligen Gärten in Augenschein zu nehmen. Am Ende dieser aufschlussreichen Woche entschieden wir uns einmütig für den Gartenplaner Professor Li Zheng. Er war Gartenbauchef der Stadt Wuxi und langjähriger Professor für Gartenarchitektur an der Tongji-Universität in Shanghai. 

 

Schon im Mai 1999 luden wir Prof. Li zu uns nach Mannheim ein, um vor Ort den hier abgebildeten Plan anzufertigen. Gleichzeitig entschieden wir uns dafür, die China Zhenjiang International Economic and Technological Cooperation Co., Ltd. (CZICC) mit der Bauausführung zu betrauen, da ich in den bis dahin vergangenen fünf Jahren schon großes Vertrauen zu den Vertretern der Stadt aufgebaut hatte, die bei mir einen äußerst kompetenten und zuverlässigen Eindruck hinterlassen hatten. 

 

Am 12. September 2001 konnten wir dann dieses für damalige Verhältnisse in seiner Art einmalige Projekt unter großer Beteiligung der deutschen, europäischen und chinesischen Öffentlichkeit feierlich einweihen, sodass wir in diesem Jahr, am 12. September 2026, das großartige 25-jährige Jubiläum der Gartenanlage feiern können. Wenn ich heute rückblickend diese zentralen Entscheidungen bezüglich des Planers und der Baufirma betrachte, kann ich mit voller Zufriedenheit sagen, dass beides große Glücksgriffe waren, wie sie nicht immer in so idealer Weise gelingen. 

 

In meinem Buch „Perle am Yangtse“, das im Jahr 2025 auf Deutsch in zweiter Auflage erschienen ist und in diesem Jahr noch in einer chinesischen und einer englischen Version erscheinen wird, habe ich die gesamten, stets positiven Erfahrungen und Erinnerungen, die ich mit Zhenjiang und seinen wunderbaren Bürgern verbinde, anschaulich niedergeschrieben. 

 

*Prof. Dr. Norbert Egger ist ehemaliger Bürgermeister von Mannheim sowie Ehrenbürger der Städte Zhenjiang, Qingdao und der Provinz Shandong.  

Die Meinung des Autors spiegelt nicht unbedingt die Position unserer Website wider. 

Teilen:

Copyright © 1998 - 2016 | 今日中国杂志版权所有

互联网新闻信息服务许可证10120240024 | 京ICP备10041721号-4

互联网新闻信息服务许可证10120240024 | 京ICP备10041721号-4