Der Hukou-Wasserfall am Gelben Fluss, der einst auf den 50-Yuan-Banknoten der vierten Serie Chinas als reißender Strom aus schlammigem, aufgewühltem Wasser abgebildet war, bietet heute einen völlig anderen Anblick: Das herabstürzende Wasser ist klar.
Ein Regenbogen über dem Hukou-Wasserfall am Gelben Fluss im Kreis Jixian in der Provinz Shanxi am 28. Oktober (Drohnenaufnahme). (Foto: Lü Guiming/Xinhua)
Der Fotograf Lü Guiming, bekannt für seine seit 1999 entstandenen Aufnahmen des Wasserfalls im Kreis Jixian in der Provinz Shanxi, hat diese Veränderungen selbst miterlebt. „In den letzten zehn Jahren waren die klaren Kaskaden des Wasserfalls mein Hauptmotiv“, erzählt Lyu. „Der Kontrast zu den alten Aufnahmen ist beeindruckend.“
Die sich wandelnde Wasserlandschaft spiegelt jahrzehntelange Bemühungen zum Schutz und zur Bewirtschaftung des Gelben Flusses wider. Der Gelbe Fluss ist Chinas zweitlängster Fluss und erstreckt sich über 5.464 km von seiner Quelle im Hochland der Provinz Qinghai über neun Provinzen und autonome Regionen. Dabei durchquert er Wüsten und Lössgebiete, bevor er in der Provinz Shandong im Osten Chinas in das Bohai-Meer mündet.
Im Jahr 1946 wurde unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas an den Ufern des Gelben Flusses in Heze in der Provinz Shandong eine Behörde für die Bewirtschaftung des Gelben Flusses durch das Volk gegründet.
Da die Provinz Henan häufig von Überschwemmungen des Flusses betroffen war, verlegte die Kommission zur Bewirtschaftung des Gelben Flusses (Yellow River Conservancy Commission, YRCC) ihren Sitz im Dezember 1953 nach Zhengzhou in Henan.
Dank 80 Jahren Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen führt der Fluss, der einst von verheerenden Überschwemmungen, starker Sedimentablagerung und Verlagerungen des Flusslaufs geprägt war, heute saubereres Wasser und wird nachhaltiger genutzt.
Historischen Aufzeichnungen zufolge kam es am Unterlauf des Stroms vor der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 zu mehr als 1.500 Deichbrüchen und Überschwemmungen. Der Fluss änderte dabei 26 Mal seinen Lauf. Sedimentablagerungen sind seit jeher eine große Herausforderung. Daher stammt auch das alte Sprichwort, dass die Hälfte einer Schüssel Wasser aus dem Gelben Fluss aus Sand bestehe.
Wei Xiangyang, der Chefingenieur der Kommission, gibt einen Überblick über die Fortschritte im Hochwasserschutz, einem zentralen Bestandteil der Flussbewirtschaftung.
Die Deiche, die so gebaut wurden, dass sie auch großen Hochwasserereignissen standhalten, erstrecken sich nun entlang des Unterlaufs über insgesamt 1.371 km. Vierzig Stauseen zum Hochwasserschutz am Hauptfluss und seinen Nebenflüssen verfügen zusammen über ein Rückhaltevolumen von 19 Milliarden Kubikmetern.
In den vergangenen acht Jahrzehnten hätten diese Infrastrukturprojekte dazu beigetragen, wirtschaftliche Schäden durch Überschwemmungen in Höhe von schätzungsweise 10,09 Billionen Yuan (rund 1,356 Billionen Euro) zu verhindern, so Wei.
Auch die Bemühungen gegen Bodenerosion haben erhebliche Fortschritte erzielt. Zhu Xiaoyong, Leiter des Büros für Boden- und Wasserschutz der Kommission, legt Daten vor, aus denen hervorgeht, dass 290.500 Quadratkilometer von Bodenerosion betroffene Flächen im gesamten Einzugsgebiet saniert wurden. Durch Maßnahmen zum Boden- und Gewässerschutz konnte verhindert werden, dass etwa 24,7 Milliarden Tonnen Sedimente in den Fluss gelangten.
Der Gelbe Fluss durchquert mehrere Regionen und bildet ein zusammenhängendes Ökosystem, das eine koordinierte, regionenübergreifende Bewirtschaftung erfordert.
„Nach jahrelanger Forschung haben wir ein Konzept für den Betrieb der Stauseen entwickelt, bei dem sauberes Wasser gespeichert und gleichzeitig Sediment abgeleitet wird“, erklärt Zhang Jinliang, leitender Wissenschaftler bei der Yellow River Engineering Consulting Co., Ltd. „Die präzise Regulierung von Wasser und Sedimenten markiert einen Wandel von passivem Reagieren hin zu proaktivem Handeln bei der Bewirtschaftung des Flusses.“
Auch die Wasserzuteilung wird nun besser koordiniert. Seit der Einführung eines einheitlichen Systems zur Wasserbewirtschaftung im Jahr 1999, das alle Provinzen entlang des Flusses umfasst, führt der Gelbe Fluss nun schon seit 27 Jahren ununterbrochen bis zur Mündung Wasser.
Im Lauf der Jahre hat eine effizientere Wassernutzung dazu beigetragen, die bewässerte Anbaufläche im Flussgebiet auf 132 Millionen Mu (8,8 Millionen Hektar) zu vergrößern. Im Einzugsgebiet und den flussabwärts gelegenen Bewässerungsgebieten werden jährlich rund 89,5 Millionen Tonnen Getreide erzeugt, was 13,3 Prozent der gesamten Getreideproduktion Chinas entspricht.
Die Zahlen der YRCC zeigen zudem eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität im Einzugsgebiet des Gelben Flusses. Der Anteil der Messstellen, die eine gute Wasserqualität der Klassen I bis III ausweisen, stieg von 59,1 Prozent im Jahr 2016 auf 93,2 Prozent im Jahr 2025.
Veränderungen sind auch in den Gemeinden entlang des Flusses zu beobachten. Lyus Fotografien, die die sich wandelnde Wasserlandschaft des Hukou-Wasserfalls dokumentieren, haben zum Aufschwung des lokalen Tourismus beigetragen. Unter anderem durch seine weit verbreiteten Fotos ist der Tourismus zu einem wichtigen Standbein der lokalen Wirtschaft in einem ehemals verarmten Landkreis geworden.
„Das Ökosystem des Gelben Flusses bildet ein zusammenhängendes Ganzes“, sagt er. „Vom Schutz der Quellgebiete am Oberlauf über den Boden- und Wasserschutz am Mittellauf bis hin zur Renaturierung von Feuchtgebieten am Unterlauf ist der Umweltschutz zu einem prägenden Merkmal der hochwertigen Entwicklung im Einzugsgebiet des Gelben Flusses geworden.“