HOME>Politik

Die Globale Entwicklungsinitiative – Chinas Antwort auf internationale Entwicklungsdefizite

2026-09-20 15:06:00 Source:german.chinatoday.com.cn Author:Helmut Matt*
【Schließen】 【Drucken】 GroßMittelKlein

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Auch, wenn sie in westlichen Medien kaum hinreichend gewürdigt wird: Die „Globale Entwicklungsinitiative“ (Global Development Initiative, kurz GDI) ist eine zentrale außenpolitische Initiative Xi Jinpings. Erstmals formuliert hatte sie Chinas Staatspräsident am 21. September 2021 in seiner Videoansprache zur Generaldebatte der 76. UN-Generalversammlung unter dem Titel „Das Vertrauen stärken und gemeinsam Schwierigkeiten überwinden für eine bessere Welt“. 

 

Ein wesentlicher Aspekt seiner Initiative ist die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, für die auch China sich mit hohem Engagement einsetzt. Sie soll den weltweiten Fortschritt beschleunigen und für eine „stärkere, grünere und gesündere“ Welt sorgen. 

 

Ein wesentlicher Gedanke Xi Jinpings im Zusammenhang mit seiner Globalen Entwicklungsinitiative ist es, der wachsenden Nord-Süd-Kluft sowie den weltweiten Ernährungs- und Energiekrisen und nicht zuletzt auch den geopolitischen Spannungen und den Folgen der Coronapandemie für die Weltwirtschaft entgegenzuwirken. 

 

Die chinesische Regierung versteht die Initiative einerseits als bedeutendes öffentliches Gut für die gesamte Weltgemeinschaft, andererseits als Hebel zur Umsetzung des Konzepts des Zusammenschlusses der Menschheit zu einer Schicksalsgemeinschaft – ein Konzept, das Xi Jinping am 23. März 2013 in seiner Rede am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen erstmals darlegte und von Beginn an ein Kernstück seiner globalen Vision darstellt. Es gilt als ein zentraler außenpolitischer Leitgedanke der Volksrepublik China. 

 

Die GDI gilt als die erste aus einer Reihe globaler Initiativen des chinesischen Staatspräsidenten. Sie bildet zusammen mit der Globalen Sicherheitsinitiative von 2022, der Globalen Zivilisationsinitiative von 2023 und der Globalen Governance-Initiative aus dem Jahr 2025 die Pfeiler zum Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit. Der Fokus der GDI liegt im Wesentlichen nicht nur auf großen Infrastrukturvorhaben, sondern auch weitaus mehr auf „kleinen und schönen“ („small and beautiful“) Projekten, auf Kapazitätsaufbau sowie auf Technologie- und Wissensaustausch. 

 

Ein kurzer Überblick über die Kernprinzipien und Leitmotive der GDI: 

 

1. Entwicklung als Priorität: Die GDI rückt Entwicklung ins Zentrum der internationalen Agenda.


2. Menschenzentrierter Ansatz: Entwicklung soll ausschließlich dem Wohl der Menschen dienen und stützt sich auf diese. Die Menschen sollen letztlich auch an den Entwicklungsfrüchten teilhaben.


3. Vorteile für alle: Kein Land und keine Person sollen zurückgelassen oder vernachlässigt werden. Inklusion und Wohlstand für alle haben höchste Priorität.


4. Innovationsgetriebene Entwicklung: Innovation dient als Motor für stärkeres weltwirtschaftliches Wachstum.


5. Harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur: Der Fokus liegt in hohem Maße auf Nachhaltigkeit und grünem Fortschritt des Planeten.


6. Handlungsorientierung: Von Bedeutung sind konkrete Ergebnisse und pragmatische Umsetzung – im Gegensatz zu reiner Rhetorik.


In ihrer Gesamtheit sollen diese Prinzipien eine „globale Entwicklungs-Partnerschaft“ schaffen, die sowohl den Nord-Süd-Dialog als auch die Süd-Süd-Kooperation stärken soll. Insbesondere unter diesem Aspekt ist die GDI ein weltweiter Zusammenschluss – gleichberechtigt, ausgewogen und inklusiv. 

 

Die Globale Entwicklungsinitiative zielt insbesondere darauf ab, das Augenmerk der Weltgemeinschaft wieder verstärkt darauf zu richten, Konsens zu schaffen und neue Antriebskräfte für eine nachhaltige Struktur zu mobilisieren und somit die Entwicklung der Länder und Regionen in den Mittelpunk zu stellen. Konkrete Herausforderungen wie Armut, Hunger, Pandemien, Finanzierungslücken und Klimawandel stellen für die GDI ganz wesentliche Herausforderungen dar. 

 

Die GDI sieht ihre prioritären Kooperationsfelder in den folgenden acht Punkten. In vielen Bereichen wurden bereits konkrete Ergebnisse erzielt. 

 

 Armutsbekämpfung: „Kleine und schöne“ Projekte werden gefördert. Dazu gehören sowohl die Juncao-Technologie in Afrika als auch Hybridreis-Projekte in Uganda, durch die sich die dortigen Einkommen durchschnittlich um über 1000 US-Dollar je Haushalt steigern ließen.


Ernährungssicherheit: Durch technische Zusammenarbeit und Nothilfe bei der Ernährung wird die Fähigkeit der Entwicklungsländer zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln gesteigert. Zum Beispiel gelang es durch den Einsatz hochwertiger Reissorten, die Produktion in den teilnehmenden Ländern Afrikas erheblich zu steigern. 


 Pandemiebekämpfung und Impfstoffe: Der Fokus liegt auf der Unterstützung beim Aufbau öffentlicher Gesundheitssysteme, der gemeinsamen Bewältigung von gesundheitlichen Bedrohungen wie Pandemien und der Förderung eines gerechten Zugangs zu Impfstoffen und anderen medizinischen Ressourcen.  


Entwicklungsfinanzierung: Dazu gehören unter anderem der Fonds für die globale Entwicklung und die Süd-Süd-Zusammenarbeit (GDSSCF) und Sondermittel für die Globale Entwicklungsinitiative.


Klimawandel und grüne Entwicklung: Zu nennen wäre hier beispielsweise der „Africa Solar Belt“, aber auch der Mangroven-Schutz, der Einsatz von Bambus statt Plastik oder die Freigabe von SDGSAT-1-Satellitendaten für 104 angeschlossene Länder.


Industrialisierung: Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung der Entwicklungsländer beim Ausbau ihrer industriellen Produktionskapazitäten und bei der Transformation ihrer Wirtschaftsstruktur.


Digitale Wirtschaft: Ziel ist es, durch die Nutzung digitaler Technologien neue Wachstumsimpulse zu generieren, die digitale Kluft zu überbrücken und alle Wirtschaftssektoren zu stärken.


Konnektivität: Gemeint sind hier unter anderem die Luban-Workshops, die eWTP-Plattformen, die Initiative für KI-Governance oder das BRICS Innovation Center. 

  

Zur Entwicklung der GDI hat China eine ganze Reihe von Plattformen geschaffen und bereitgestellt: 

 

-       Seit Januar 2022 arbeitet bei den Vereinten Nationen die „Group of Friends of the GDI“, an der sich mittlerweile über 80 Länder beteiligen – darunter viele Entwicklungsländer aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Der zentrale Fokus der Gruppe liegt auf regelmäßigen Ministertreffen und gemeinsamen Statements sowie zahlreiche Seminare. 

 

-       Beim „Global Development Project Pool“ handelt es sich um eine Projektbibliothek mit konkreten Vorhaben. Beginnend mit 50 Projekten im Jahr 2022 ist man jetzt bereits bei mehr als 1800 Projekten angelangt. 

 

-       Auch am „Global Development Promotion Center“ (GDPC) und seinem Netzwerk beteiligen sich bereits über 80 Mitgliedsländer und Institutionen, darunter die Afrikanische Union (AU) und die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO). 

 

-       Weitere Instrumente sind beispielsweise der „Global Development and South-South Cooperation Fund“ sowie der „Global Development Capital Pool“. Dazu gehört auch der „Global Development Report“ mit mehreren Ausgaben seit 2022 durch das „Center for International Knowledge on Development“ ebenso wie Wissensnetzwerke für verschiedene Regionen. 

 

Im Rahmen der Globalen Entwicklungsinitiative fanden bereits hochrangige politische Treffen statt, darunter beispielsweise der von Xi Jinping selbst geleitete „High-level Dialogue“ im Jahr 2022 oder das „High-Level Meeting der GDI 2025“ in New York anlässlich von 80 Jahren UNO und zehn Jahren Agenda 2030. 

 

Chinas Globale Entwicklungsinitiative hat mittlerweile eine ganze Reihe konkreter Erfolge vorzuweisen. So heißt es im Progress Report 2025 der GDI des chinesischen Center for International Knowledge on Development (CIKD), dass mehr als 30 Millionen Menschen in über 60 Ländern direkt vom South-South Fund profitiert hätten. Über 200.000 Personen aus befreundeten Ländern hätten Schulungen erhalten. Über 130 Länder und internationale Organisationen, einschließlich der Vereinten Nationen, unterstützen die Initiative mittlerweile. 

 

China hat bereits rund 100 Kooperationsdokumente mit Entwicklungsländern und Organisationen unterzeichnet. Die Initiative ist zudem in bedeutenden Foren wie FOCAC (China-Afrika), China-Arab, CELAC, ASEAN, BRICS, SCO und G20 verankert. 

 

In vielen Entwicklungsländern ebenso wie bei der UNO mit ihrem Generalsekretär António Guterres gilt die Globale Entwicklungsinitiative des chinesischen Staatspräsidenten als Beitrag zur Revitalisierung der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit und zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Bis dato gab es bereits hochrangige Unterstützung auf Gipfeln und in Form von Joint Statements. 

 

Westliche Analysen wie die des „US Congressional Research Service“ sehen die Globale Entwicklungsinitiative als strategisches Instrument Chinas, um seinen Einfluss und seine Präsenz im Globalen Süden zu erweitern und westlich dominierte Entwicklungsstrukturen zu ergänzen sowie die Zusammenarbeit zu fördern: Eine Win-win-Situation für alle Seiten also, offen und völlig frei von politischen Konditionen. 

 

Zusammenfassend lässt sich Chinas Globale Entwicklungsinitiative am besten als ebenso intelligente wie weitsichtige Antwort auf globale Entwicklungsdefizite verstehen. Zugleich ist sie ein zentraler Baustein der Vision Xi Jinpings von einer multipolaren, inklusiven Weltordnung. Xis Globale Entwicklungsinitiative hat in gerade einmal fünf Jahren bereits eine breite institutionelle Basis geschaffen und zahlreiche konkrete Projekte hervorgebracht, die Millionen Menschen erreichen und deren Leben ganz erheblich verbessern. Man darf daher auf die weitere Entwicklung durchaus gespannt sein. 

  

*Helmut Matt ist ein deutscher Schriftsteller und China-Wissenschaftler. 

Die Meinung des Autors spiegelt nicht unbedingt die Position unserer Website wider. 

  

 

Teilen:

Copyright © 1998 - 2016 | 今日中国杂志版权所有

互联网新闻信息服务许可证10120240024 | 京ICP备10041721号-4

互联网新闻信息服务许可证10120240024 | 京ICP备10041721号-4