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CEO Antje Vargas im Interview: „Wir müssen unsere Marke ,Made in Germany‘ pflegen“

2026-09-01 11:23:00 Source:cdd-online.com.cn Author:Dieter Brockmeyer*
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Antje Vargas ist CEO und Mitgründerin der GeoClimaDesign AG mit Sitz in Fürstenwalde. Für die Unternehmerin ist China nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein strategischer Partner. Im Gespräch mit „Dialog China-Deutschland“ erklärt sie, warum. 

 

  

 

Antje Vargas, CEO und Mitgründerin der GeoClimaDesign AG mit Sitz in Fürstenwalde (Foto: Interviewpartnerin) 

 

Frau Vargas, was macht Ihre Firma und welche Rolle spielt dabei China? 

Ich habe die GeoClimaDesign AG gemeinsam mit weiteren Partnern im Jahr 2007 gegründet. Wir produzieren Kapillarrohrmatten zum Heizen und Kühlen, feine Netze aus Rohren also, durch die Wasser oder andere Flüssigkeiten fließen. Man muss sich das vorstellen wie eine Flächenheizung, wie man sie als Fußbodenheizung kennt, jedoch mit einer viel höheren spezifischen Leistung, weil die Röhrchen sehr eng beieinander liegen, was für eine riesige Oberfläche sorgt. Man kann also mit geringen Heiztemperaturen viel mehr Leistung erzielen. Das Prinzip eignet sich hervorragend für die Doppelfunktion Heizen und Kühlen. Deshalb verlegt man solche Kapillarmatten idealerweise an der Decke. Unser Produkt verkaufen wir auch an unsere chinesischen Kunden, für den Neubau von hochpreisigen Immobilien etwa mit sehr exklusiver Ausstattung, die Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit sind. Gebäudenachhaltigkeit wird in China heute sehr ernst genommen, auch im Kontext der Gesundheit, also des Wohlbefindens der Menschen in diesen Gebäuden. Es geht auch um Lebensqualität. Was ich an den Chinesen sehr schätze, ist, dass sie sich nicht am Mittelmaß orientieren, sondern am Besten. Kapillarmatten gelten dank ihrer hohen Leistung und der einfachen Montage in China als höchster Standard. Für hochwertige Immobilien wird dieses Produkt gezielt aus Deutschland eingekauft, weil man in China ,Made in Germany‘ mit seinem Markenkern der Zuverlässigkeit und Präzision noch immer besonders schätzt. 

 

Wie hoch ist denn der Anteil des Geschäfts mit China? 

Es ist von Jahr zu Jahr verschieden und schwankt zwischen 15 und 30 Prozent. 

 

 

 

Paneldikussion des Zero Carbon Industry Park Forums im Rahmen der dritten Chinesisch-Europäischen ESG-Best-Practice-Konferenz am 26. Juni in Mainz (Foto: China International Investment Promotion Agency Germany) 

 

Gibt es schon die Überlegung eigener Fertigungsanlagen in China oder Ideen, die Fertigung nach China zu verlagern? 

Ja, wir sind prinzipiell dazu bereit. Aber die Losgröße ist noch nicht da, wo sie sein müsste. Man braucht eine langfristige Perspektive für einen stabilen Absatz. Es gibt außerdem noch einen anderen Grund: Unsere chinesischen Kunden lieben Importwaren, eben weil das deutsche Branding eine große Rolle für das Wert- und Preisniveau der besagten Immobilien spielt. Solange die Zölle und die Lieferbedingungen noch halbwegs in Ordnung sind, kann man die Ware hier von Deutschland aus verschiffen. Es ist denkbar, ein weiteres Werk in China zu errichten, sobald die Losgrößen zukunftsfest sind. Das gilt für jeden Markt auf der Welt, auch für Deutschland. Wir haben vor drei Jahren unser zweites Werk bei uns in Fürstenwalde aufgebaut, weil wir uns ganz optimistisch mit China befasst haben. Im Moment stagniert der chinesische Immobilienmarkt allerdings. Wir kompensieren das dank der wachsenden Umsatzentwicklung auf dem deutschen Markt. Insbesondere in der Gebäudesanierung sind wir gut aufgestellt, da schneidet unser flaches und leichtes Produkt besser ab, als andere wasserführende Flächenheizungen. 

 

Wie sind Sie denn in dieses doch sehr spezielle Geschäftsfeld gekommen – und wie an China? 

Die Aktivitäten mit China haben ganz klar mit unserem Kernprodukt zu tun. Man guckt sich die attraktivsten Produkte in Deutschland aus. Dass ich ausgerechnet in dieser Branche gelandet bin, ist eher ein Zufall. Ich habe internationale Wirtschaft studiert, hatte dabei schon immer eine Affinität für internationale Geschäftstätigkeiten. Ich habe dann den Markt analysiert und bin dahin gegangen, wo ich Potenzial erkannt habe. Von meinen chinesischen Partnern bin ich begeistert. Ich mache gerne Geschäfte mit ihnen. Chinesen sind sehr sportlich, sehr unkompliziert. Sie sind uns Deutschen eigentlich recht ähnlich, in der Art, wie man Geschäfte macht, in der Zuverlässigkeit. Es gilt, dass man das, was man verspricht, auch unbedingt einhält. Diese Mentalität kommt uns Deutschen sehr nahe.  

 

Es wird ja an den chinesisch-deutschen Beziehungen oft beklagt, dass unsere Handelsbilanz sich umgekehrt hat und Deutschland heute mehr aus China importiert, als es nach China exportiert. Wo sehen Sie die Gründe? 

Die Gründe liegen nicht auf der chinesischen Seite, sondern ich sehe sie bei uns. Deutschland muss innovativer und kostengünstiger werden. Unserem Unternehmen gelingt das mit unserem Produkt im Moment. Falls sich das ändert, müssen wir neue Produkte entwickeln, die attraktiv sind, damit sie in China verarbeitet werden. Wir müssen unsere Marke ,Made in Germany‘ pflegen, die wie gesagt für Verlässlichkeit und Präzision steht. 

 

  

 

Belastungstest bestanden: Kapillarmatten sind reißfest und stabil genug, das Gewicht einer Person zu tragen. 

 

In Bezug auf China haben wir bisher nur über Neubauten gesprochen. Aber lässt sich das Produkt nicht auch in der Altbausanierung verwenden? 

Unser Hauptgeschäft ist ja in Deutschland und hier momentan verstärkt in der Altbaumodernisierung. Kapillarmatten lassen sich viel leichter als andere Systeme in die verschiedensten Gebäude integrieren – von Industrie bis Wohnen. Dieser Markt wird sich demnächst auch in China entwickeln. Die ersten Immobilien, die in den 1980ern und 1990ern in China entstanden sind, werden langsam sanierungsbedürftig. Das ist ein Grund, warum wir nicht einfach nur Produkte exportieren wollen, sondern unser Knowhow in China zukünftig auch in Bauplanungsangelegenheiten einbringen wollen. Gebäude sollte man nicht abreißen, sondern solange wie möglich nutzen. Dafür kämpfe ich, nämlich dass man bei der Gebäudeplanung die Langlebigkeit noch stärker berücksichtigt. Ich finde es toll, dass diese Sparte jetzt auch in China entsteht. 

 

Sie haben das Verhältnis China-Deutschland bereits kurz angesprochen. Was ist Ihre Empfehlung an die Politik? 

Wir müssen, wie gesagt, die Schuld für unsere Exportschwäche bei uns selbst suchen und nicht bei anderen, sollten in die Innovationsfreudigkeit unserer Unternehmen investieren. Innovationsfähigkeit ist da, aber Investitionsfreudigkeit fehlt im Moment. Diese zu fördern, ist die dringendste Aufgabe, die ich in der Politik ganz weit oben auf die Agenda setzen würde. 

 

Sie sind noch gar nicht auf Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten eingegangen. Warum ist Ihnen das wichtig? 

Ich bin in meinen Fachverbänden und in der IHK aktiv, sowohl in der Vollversammlung als auch in Ausschüssen, zum Beispiel im Energie- und im Außenwirtschaftsausschuss. Die IHK ist ein hochinteressantes demokratisches Gremium. Anregungen und Ideen von Unternehmen werden hier gebündelt und untereinander diskutiert, bevor sie an die Politik herangetragen werden. Die Industrie- und Handelskammer ist damit für mich als Unternehmerin eine extrem sinnvolle Plattform. So kam es auch, dass ich vom DIHK gebeten wurde, mich um die China-Reise des Bundeskanzlers noch zu Coronazeiten zu bewerben. Die Teilnahme war für mich ein starkes Zeichen, weil mit mir der Mittelstand repräsentiert wurde und nicht nur Konzerne, die sonst für gewöhnlich mitreisen. Ich war dann noch an zwei weiteren Delegationsreisen auf Bundesebene beteiligt. 

 

  

 

Platzsparende Lösung: Kapillarrohrmatten kommen sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen zum Einsatz. 

 

Wir haben über das, was ist und was war gesprochen. Wie sieht es mit der Zukunft aus? 

Zwei Effizienzpotenziale wollen wir als Unternehmen als nächstes heben: Energie- und Arbeitskosten. Wir haben uns für unsere Fabrik bereits große Batteriespeicher für die PV-Anlagen angeschafft, verwenden als Kunststoffverarbeiter nun einen großen Anteil Eigenstrom, sehr zufriedenstellend! Noch wichtiger für die Steigerung der Produktivität ist aber die Arbeitskosteneffizienz. Wir werden uns dazu humanoide Roboter anschaffen. Daraus wollen wir ein echtes Geschäftsmodell machen, für kleine und mittlere Industrieunternehmen, die wie wir Maschinenparks haben, mit ganz unterschiedlichem Automatisierungsgrad in den einzelnen Produktionsabschnitten. Mit diesen Maschinen agieren aktuell Menschen. Hier ist eine Ergänzung der Abläufe mit humanoiden Robotern denkbar. Chinesische Hersteller werden dabei eine große Rolle spielen. Wir prüfen derzeit die Kooperationsmodelle. Für die Zukunft haben wir also noch viel vor. 

 

* Dieter Brockmeyer ist ein international anerkannter Medien- und Innovationsexperte, Publizist, Keynote-Speaker und Moderator. Seit 2019 ist er Mitglied der Chefredaktion des fek-eurojournal.eu. Er ist u.a. Mitgründer des Diplomatic World Institutes, DWI, in Brüssel, sowie Produzent der internationalen Video-Podcast-Reihe „Today & Tomorrow“ des DWI zum Thema Innovationsdenken. Er schreibt regelmäßig für „Dialog China-Deutschland“. 

 

Die Meinung des Autors spiegelt nicht unbedingt die Position unserer Website wider. 

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