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Modelldorf Chixi: Mit Köpfchen und Eigeninitiative in 30 Jahren aus der Armut

2018-06-27 11:04:00 Source:CRI Author:
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Von Ma Li

 

Es war im Jahr 2001, als Zhong Limei, damals 20 Jahre alt, zum ersten Mal mit ihrem Freund in dessen Heimatdorf Chixi in der Gemeinde Panxi reiste. Der Ort liegt in der südostchinesischen Provinz Fujian. „Ich war erst einmal baff, als ich sah, dass es keine einzige asphaltierte Zubringerstraße ins Dorf gab“, erinnert sich Zhong. „Wir mussten bei einem Ort namens Longting aus dem Bus und dann einen Berg hochkraxeln. Von dem aus führte dann ein gewundener und unwegsamer Bergpfad zum Dorf.“

 

Trotz der Unzufriedenheit ihrer Eltern heiratete Zhong ihren Freund schließlich zwei Jahre später. Seither ist Chixi ihr neues Zuhause. Mittlerweile ist Zhong, die ehemals Fremde, zur Leiterin des Frauenverbands des örtlichen Dorfkomitees aufgestiegen. Darüber hinaus leistete sie Pionierarbeit bei der Entwicklung des lokalen Tourismus. „Die größte Veränderung, die meine Familie in den letzten Jahren erlebt hat, liegt darin, dass wir von einem schäbigen Holzhaus in eine schöne Villa aus Beton umziehen konnten“, sagt Zhong. „Das neue Haus wird nicht nur unseren eigenen Wohnbedürfnissen gerecht, sondern wir vermieten auch einige Räume als Unterkunft an Touristen“, sagt sie. Die Verbesserungen im Leben von Zhongs Familie sind letztlich ein gutes Beispiel für die großen Veränderungen, die sich im gesamten Dorf vollzogen haben.



 Zhong Limei (1. rechts) leistete Pionierarbeit bei der Entwicklung des lokalen Tourismus.



Armutsbekämpfung in drei Phasen

 

Vor drei Jahrzehnten war Chixi noch ein abgelegenes, armes Dorf, in dem 280 Haushalte der ethnischen Gruppe der She beheimatet waren. Die Bewohner verteilten sich über 14 kleinere Siedlungen, in denen es weder Strom noch Leitungswasser gab. Auch Straßen, die zur Außenwelt führten, suchte man damals vergebens.

 

Am 24. Juni 1984 veröffentlichte die chinesischsprachige Tageszeitung „Renmin Ribao“ dann einen Leserbrief, der für den kleinen Ort eine Schicksalswende einleiten sollte. In dem Beitrag berichtete ein Leser über die Armut in Chixi, was das ZK der KP Chinas und den Staatsrat auf die Verhältnisse in dem abgelegenen Dorf aufmerksam machte. Drei Monate später verkündete das ZK der KP Chinas per Rundschreiben den Start einer landesweiten Aktion zur Armutsbekämpfung. Chixi wurde in die Liste derjenigen armen Dörfer aufgenommen, die einen besonderen Schwerpunkt bilden sollten. Chixi wurde damit bald als „Chinas erstes Dorf der Armutsüberwindung“ bekannt.

 

„Die Dorfbewohner lebten damals noch in strohgedeckten Häusern, verwendeten Kerosinlampen zur Beleuchtung und Nahrungsmittel waren knapp. Alle lebten in extremer Armut“, erzählt Du Jiazhu, der Parteisekretär des Dorfkomitees.

 

Die Anstrengungen zur Armutsüberwindung der folgenden drei Jahrzehnte, die in Chixi in Angriff genommen wurden, lassen sich nach Dus Darstellung in drei Phasen gliedern.

 

„Die erste Phase dauerte von 1984 bis 1993. Ich bezeichne sie oft als ,Bluttransfusion‘“, sagt der Parteisekretär. „Nachdem die ,People’s Daily‘ über unsere Situation berichtet hatte, erhielten wir große Unterstützung, nicht nur von Regierungen verschiedener Ebenen, sondern auch von Menschen aus allen Landesteilen. Man sendete uns Baumsetzlinge, Lämmer und Hasen, um zu helfen, die lokale Wirtschaft in Gang zu bringen.“ Doch da die Dorfbewohner wenig über Pflanz- und Zuchttechniken wussten, blieb die erhoffte Wendung zum Besseren zunächst aus. Die Anstrengungen der ersten Phase verliefen weitestgehend im Sande und brachten nur kurzfristig Besserung.

 

Doch Armut erweckt den unbändigen Wunsch nach Veränderung. Und so sollte der Kampf in Chixi in einer zweiten Phase fortgesetzt werden. 1994 wurden im Dorf Straßen angelegt, um das Zentrum mit den umliegenden Siedlungen zu verbinden. 22 Haushalte, deren Bewohner zuvor 7,5 Kilometer vom Dorfzentrum entfernt in den Bergen gelebt hatten, zogen daraufhin ins Zentrum. „Auch Menschen aus zehn anderen Siedlungen, die über keine günstige Verkehrslage verfügten, zogen schließlich hierher“, erzählt Du.

 

Mit der Hilfe und Unterstützung der Regierungen und Parteikomitees verschiedener Ebenen hatten die Dorfbewohner, die seit Generationen in der abgelegenen Bergregion lebten, endlich die Hoffnung, sich aus der Armut zu befreien. „Bis 1995 zogen mehr als 350 Haushalte aus ihren strohgedeckten Häusern im Gebirge in Ziegelhäuser am Fuße des Berges um“, fasst Du zusammen.

 

Mit Unterstützung der lokalen Regierung wurde eine Reihe von Projekten zur Entwicklung von Tourismus und ökologischer Landwirtschaft gestartet, die es den Dorfbewohnern nach und nach ermöglichten, sich in ihrem Heimatdorf eine eigene Existenz aufzubauen. In dieser Periode begannen die Einheimischen, die touristischen und landwirtschaftlichen Ressourcen ihrer Heimat für sich zu nutzen. Sie pflanzten nicht nur Tee- und Obstbäume an, sondern eröffneten auch Restaurants und Unterkünfte für Touristen. „Bis dahin war es für uns unvorstellbar gewesen, dass sich auch in unserem Heimatdorf Geld verdienen ließe“, so Du.



 Gedenken an die zahlreichen Helfer: Aus eigener Initiative haben die Dorfbewohner eine Steintafel am Eingang Chixis errichtet. Auf der Tafel ist die Inschrift „Chinas erstes Dorf der Armutsüberwindung“ eingraviert.


In der dritten Phase von 2007 bis 2017 ging es darum, das „Blut zu vermehren“, wie Du es nennt. In dieser Periode unternahm das Dorf große Anstrengungen, um das Tourismusgeschäft auszubauen. „2016 gründeten wir ein professionelles Tourismusunternehmen, das sechs Projekte, darunter die Errichtung eines Resorts im Tal und die Gründung eines Tourismuszentrums, durchführte. Auch die Infrastruktur des Dorfes wurde ständig verbessert“, sagt Du. Die schnelle Entwicklung des Tourismus habe das Einkommen der Dorfbewohner stark erhöht. Für viele Haushalte ist der Tourismus mittlerweile zur Haupteinnahmequelle geworden. Die Familie von Zhong Limei ist hierfür ein gutes Beispiel. „Die gute Entwicklung beschert den Menschen nicht nur finanzielle Gewinne, sondern auch Glücksgefühle“, sagt Parteisekretär Du.

 

„In den zehn Jahren der dritten Phase haben wir die natürlichen Vorzüge unseres Dorfes wie die schönen Flüsse und Täler sowie die alten traditionellen Wohnhäuser genutzt, um verschiedene touristische Angebote wie Rafting, Obst- und Gemüseernte, Bergwanderungen und andere Freizeitaktivitäten zu entwickeln“, sagt der Parteisekretär. In diesem Jahrzehnt habe Chixi große Veränderungen erlebt. „2016 konnten wir mehr als 200.000 Touristen in unserem Dorf begrüßen. An einem Rekordtag hatten wir hier sogar 10.000 Gäste“, erzählt Du stolz. Durch die Entwicklung der Tourismusindustrie verdiene jeder Haushalt im Dorf durchschnittlich 60.000 Yuan pro Jahr, umgerechnet also etwa 8000 Euro.

 

Um ihre Dankbarkeit für die Hilfe und Unterstützung der Regierungen verschiedener Ebenen und der Menschen aus allen Teilen Chinas auszudrücken, haben die Dorfbewohner aus eigener Initiative eine Steintafel am Eingang des Dorfs errichtet. Auf der Tafel ist die Inschrift „Chinas erstes Dorf der Armutsüberwindung“ eingraviert. So sollen sich auch die jüngeren Generationen daran erinnern, wie sich Chixi einst uns aus der Armut befreite und zu Wohlstand gelangt ist.

 

Am Vormittag des 19. Februar 2016 tauschte sich Xi Jinping, Generalsekretär des ZK der KP Chinas und chinesischer Staatspräsident, im Newsroom des Nachrichtenportals people.cn online mit Dorfbewohnern und Regierungskadern über die Armutsüberwindung. Schon als Xi noch Parteisekretär der Stadt Ningde war, der das Dorf Chixi verwaltungsmäßig untersteht, schenkte er der Armutsüberwindung in Chixi große Aufmerksamkeit. Beim Chat mit den Vertretern des Dorfes lobt Xi die großen Erfolge des Ortes im Bereich der Armutsüberwindung und äußerte seine Hoffnung, dass es für die Menschen dort in Zukunft noch weiter bergauf gehe.

 

Durch die Anstrengungen der vergangenen drei Jahrzehnte hat Chixi seinen ganz eigenen Weg aus der Armut gefunden, nämlich über eine ausgewogene Entwicklung von Tourismus, Landwirtschaft, Kultur und Umweltschutz. Das jährlich verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Dorfbewohner ist von 166 Yuan 1984 auf 16.640 Yuan im Jahr 2017 geklettert. Und die Dorfverwaltung, die 1984 noch mit 100.000 Yuan verschuldet war, freute sich 2017 über Steuereinnahmen von 800.000 Yuan.



Großes Interesse: Touristen bei einer Ausstellung über die Geschichte der Armutsüberwindung des Dorfes



Den Weg zum Reichtum ausbauen

 

Bei der Entwicklung des Tourismus hat das Pilotdorf sein Entwicklungstempo stetig aufrechterhalten. Durch den Bau neuer Straßen und die Verbesserung der Infrastruktur ist es Chixi in den vergangenen Jahren gelungen, immer mehr Touristen aus dem ganzen Land anzuziehen.

 

Auch Dorfbewohnerin Zhou Xueqin hat in ihrem Haus eine Unterkunft für Touristen eingerichtet. Sie und ihre Familie haben die großen Veränderungen in Chixi hautnah miterlebt.

 

„Am Anfang hatte ich nur zwei bis drei Zimmer für Touristen vorbereitet. Ab und zu gab es Buchungen, aber wir mussten trotzdem noch Feldarbeit leisten, weil der Tourismus nicht genug einbrachte“, beschreibt Zhou die Situation von vor zehn Jahren. Dank der verstärkten Unterstützung der lokalen Regierung wurde die Infrastruktur stark verbessert, so dass der Tourismus im Dorf Aufwind bekam. „Heute betreiben viele hier Geschäfte im Bereich Tourismus, indem sie Essen, Unterkünfte und Ausflugsprogramme anbieten“, sagt Zhou. Die Veränderung, die sie am meisten beeindruckt habe, sei, dass viele junge Menschen, die einst zur Arbeit in die Städte abgewandert waren, heute ins Dorf zurückkehrt sind. „Hier in der Heimat verdienen sie gut und führen ein glückliches Leben“, sagt Zhou.

 

Dank der großen Veränderungen sind auch einige Hochschulabsolventen in die Heimat zurückgekehrt. Einer dieser Heimkehrer ist Du Ying, der zurück nach Chixi kam, nachdem er vor fünf Jahren sein Studium an der Guangxi University abgeschlossen hatte. „Damals hatte ich Gelegenheit, in der Stadt zu bleiben. Aber ich entschied mich, in meine Heimat zurückzukehren, weil ich hier großes Potenzial sehe“, sagt der junge Akademiker. „Ich bin davon überzeugt, dass die von der Regierung vorgeschlagene Strategie zum ländlichen Aufschwung jungen Menschen wie mir mehr in Zukunft noch mehr Geschäftsmöglichkeiten bieten wird.“ Mit einer Investition von ungefähr einer Million Yuan, rund 135.000 Euro, hat Du Ying ein Teegeschäft gestartet. Tagesüber beschäftigt er sich mit der Verarbeitung des Tees, am Abend wickelt er Bestellungen über das Internet ab. Heute spielt seine Firma eine führende Rolle bei der Förderung der nachhaltigen Entwicklung der lokalen Wirtschaft.



 Neue Einnahmequelle: Restaurants und Gästehäuser in Chixi



„Chixi verfügt schon lange über reiche Teeressourcen, hatte aber früher keine eigene Teefabrik“, sagt der Rückkehrer. „Aus diesem Grund kam mir die Idee, selbst eine Fabrik zur Teeverarbeitung zu gründen, um die Ressourcen meiner Heimat noch besser zu nutzen“, erklärt er.

 

Seinem Beispiel folgend kehrten in den letzten Jahren auch weitere junge Menschen, die kürzlich ihr Hochschulstudium abgeschlossen oder außerhalb einige Arbeitserfahrungen gesammelt hatten, in ihr Heimatdorf zurück, um hier eigene Existenzen zu gründen. „Wir arbeiten gemeinsam für eine schöne Zukunft unserer Heimat“, sagt Du Ying stellvertretend für sie.

 

Bei der Tourismusentwicklung legt Chixi seit Beginn an auch großen Wert auf den Schutz von Umwelt und Ökosystemen. Im Dorf wurde eigens eine Firma gegründet, um die lokalen Landressourcen nach einem einheitlichen Plan zu nutzen und zu erschließen. Auch beim Anziehen von Investitionen wurde dem Umweltschutz große Aufmerksamkeit geschenkt. Kurz gesagt: Chixi hat einen Entwicklungsweg eingeschlagen, bei dem sich nicht nur das Einkommen der Dorfbewohner stark erhöht hat, sondern auch ein neues Dorf mit schöner Umgebung aufgebaut wurde.

 

In seiner Zeit in Ningde betonte Generalsekretär Xi Jinping immer wieder, dass man sich bei der Armutsbekämpfung hohe Ziele stecken müsse. Die Bedeutung der Armutsüberwindung bestehe nicht darin, sie im materiellen Sinne zu beseitigen. Viel wichtiger sei das Loslösen von der Armut in den Köpfen, im Denken und Bewusstsein, so Xi. Ein schwacher Jungvogel könne immer noch der erste sein, der einen Flug wagt. Auch die ärmsten Menschen hätten das Potenzial, sich aus der Armut zu befreien und als erste zu Wohlstand zu gelangen. „Das Wichtigste ist, dass wir dieses Bewusstsein im Kopf haben“, so Xi damals.

 

In den letzten Jahren hat die lokale Regierung der Stadt Ningde große Anstrengungen unternommen, um bei lokalen Regierungskadern und Bewohnern ein Umdenken anzustoßen, damit sie nicht mehr auf Hilfe und Unterstützung warten, sondern ihre Armut aus eigenen Kräften überwinden und so zu Wohlstand gelangen.

 

Chixi ist ein gutes Beispiel dafür, wie es einem Dorf gelingen kann, sich durch eigene Anstrengung aus der Armut zu befreien. Durch die Nutzung seiner natürlichen Ressourcen ist es dem Ort gelungen, eine florierende ökologisch verträgliche Tourismusindustrie zu entwickeln, so dass klares Wasser und grüne Berge heute zur festen Einkommensquelle der Dorfbewohner geworden sind, ganz im Sinne von Xi Jinpings Ausspruch, dass sie genau so wertvoll sind wie Berge aus Gold und Silber.



In der Ausstellungshalle Chixis ist ein Foto davon zu sehen, wie sich Xi Jinping am Vormittag des 19. Februar 2016 im Newsroom des Nachrichtenportals people.cn online mit Dorfbewohnern und Regierungsbeamten aus Chixi über die Armutsüberwindung austauscht. 

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